Fahrrad zu Verklauen - Die kriminellen Omis vom Grünen Weg

Bei uns am Grünen Weg in Attendorn herrscht die pure Kriminalität. Im Mittelpunkt stehen zwei rüstige alte Damen, die ein Fahrrad zum Klauen anbieten. Doch wie immer der Reihe nach…


Meine Nachbarin erhält sehr oft Besuch von ihrer Freundin. Und bei einem dieser Besuche entstand offenbar die fiese Idee, die Versicherung zu prellen. Seit Tagen steht das alte klapprige Rad der rüstigen Besuchsrentnerin vor der Haustür meiner Nachbarin. Darauf angesprochen meinte ein anderer Nachbar: „Das steht hier rum, weil es geklaut werden soll…“ Kein Witz, er meinte das ernst.


Ich hoffe sehr, dass die alten Damen wissen, was sie tun. Denn sonst ergeht es ihnen wie zahlreichen Versicherungsprellern zuvor, deren Schicksal böse endete.


Nehmen wir das Beispiel von Gisela H. (70). Deren verspielter Hund brachte sie in richtige Schwierigkeiten. Denn der Dackel hatte sich in ihre Hörgeräte verbissen. Doch das durfte zunächst niemand wissen. Denn der Haftpflichtversicherung einer Freundin hatte man den Schaden ganz anders gemeldet. Demnach hatte die Freundin bei einem Besuch die Hörgeräte mit einem Ärmel ihrer Jacke vom Tisch gefegt. Auf der Suche danach sei sie draufgetreten. Deshalb sollte die Versicherung nun den Schaden (rund 1600 Euro) begleichen.


Doch die Versicherung wurde misstrauisch. Sie ließ die Hörgeräte untersuchen, und siehe da, der Sachverständige entdeckte Bissspuren. Die Aussage, der Hund habe sich später an den bereits zertretenen Hörgeräten zu schaffen gemacht, ließ die Versicherung nicht gelten. Beide Frauen sollten nun wegen ihrer Schwindeleien für den erhöhten Aufwand der Versicherung aufkommen. Die Freundin nahm die Schuld auf sich und zahlte 300 Euro Gebühren. Damit wurde der Fall am Mittwoch vor Gericht beendet.


Und dann war da noch ein Engländer, der bei Lloyds of London eine Kiste Zigarren gegen Feuer versicherte. Dann rauchte er alle Zigarren weg. Er meldete den Schaden und pochte auf die Versicherungsbedingungen. Man zahlte ihm die Summe - dann aber erhielt er eine Klage wegen Brandstiftung.


Ebenfalls ungeschickt stellte sich ein Angestellter aus Hamburg an. Der zeigte einen Einbruch an und lieferte die Liste des Diebesguts gleich mit. Sie war so lang, dass der Sachbearbeiter der Versicherung stutzte. Die geklauten Sachen hätten kaum in eine Prachtvilla gepasst. Des Versicherungsnehmers Pech: Er hatte nur ein 30 Quadratmeter großes Appartement.

 

Schwerbehindert ist heute ein Mann aus Pyrmont, der sich auf Druck seiner Freundin von einem Auto überfahren ließ, um die Versicherungspolice von 750.000 Euro zu kassieren. Von dem Geld hatte er jedoch nichts: Die Freundin sahnte ab - muss sich aber wegen Betrugs und schwerer Körperverletzung vor Gericht verantworten.

 

Aus dem Ausland ist folgende Geschichte überliefert: Ein 35-jähriger Mann aus Ohio versuchte sich als vermeintlich cleverer Versicherungsbetrüger. Er vergrub seinen unbrauchbar gewordenen BMW im Garten seines Vaters und meldete ihn anschließend als gestohlen. Seine Versicherung hatte der Entwendung zunächst Glauben geschenkt und überwies ihm auf sein Konto umgerechnet 16.700 Euro. Später wurde sein Schwindel aufgedeckt und der Betrüger vom Gericht zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

 

Vielleicht gehe ich mal kurz rüber zu meiner lieben Nachbarin und erzähle ihr das alles…

 

Ach ja, hier noch ein paar Schmankerl in Form von Briefen, die verschiedene Versicherungsgesellschaften erreicht haben:

 

„Ich drückte auf die Hupe, die aber nicht ging, weil sie vor einigen Monaten gestohlen wurde.“


„Ich kann nicht schlafen, weil ich Ihre Versicherung betrogen habe. Darum schicke ich anonym 500 €. Wenn ich dann immer noch nicht schlafen kann, schicke ich Ihnen den Rest.“


„Der Hirsch nahm seine Beine unter den Arm und verschwand im Unterholz, ohne sich um den Schaden zu kümmern.“


„Wer mir die Geldbörse gestohlen hat, kann ich nicht sagen, weil diesmal aus meiner Verwandtschaft niemand in der Nähe war.“


„Wir haben die Tapeten mit Ungeziefermittel ruiniert. Zahlt die Hausratversicherung den Schaden? Das waren so kleine weiße Würmer. Ich habe Ihnen welche beigelegt.“


„Nachdem ich vierzig Jahre gefahren war, schlief ich einfach am Lenkrad ein.“

 

„Seit der Trennung von meinem Mann wurde jeder notwendige Verkehr durch meinen Anwalt erledigt.“


„Da sich der Fußgänger nicht entscheiden konnte, nach welcher Seite er wegrennen sollte, fuhr ich oben drüber.“

 

(20.04.2011)

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Kommentare: 2
  • #1

    Christel (Donnerstag, 21 April 2011 13:23)

    Wieder mal ein literarisches Festessen von Tom Kleine! Herrlich!

  • #2

    Aziz (Dienstag, 31 Mai 2011 08:33)

    Einfach Klasse!!!