Gortat, Meister Lampe, Mike T & Co. – Basketball in Polen

Zwei Basketballer im Zweikampf
Marcin Gortat (re.) / Foto: spox.com

Nichts gegen Österreich und Luxemburg. Aber die Duelle mit Polen werden für die deutschen Korbjäger erwartungsgemäß wohl die entscheidenden Spiele um die direkte Qualifikation für die Eurobasket 2015. Werfen wir den Basketball einmal in unser Nachbarland.

In Polen kommt natürlich kein Sport an Fußball vorbei. Ab und an springt mal ein Skiflieger über 100 Meter und sorgt so zumindest im Winter für Abwechslung. Und im Sommer radelt das Profi-Peloton bei der angesehenen Polen-Rundfahrt durch das sechstgrößte Land der EU mit seinen 38,5 Millionen Einwohnern. Volleyball und Schwimmer sorgen ab und an auch dafür, dass die weiß-rote Flagge bei internationalen Wettkämpfen gehisst wird.

 

Basketball ist also nicht die Nummer Eins zwischen Danzig und Krakau. Und dennoch populär. Obwohl die Blütezeit der polnischen Basketball-Nationalmannschaft doch schon etwas länger zurückliegt. Unter dem legendären Coach Witold Zagorski, der die polnische Auswahl von 1961 bis 1975 betreute, gelangen von 1960 bis 1968 allein drei der insgesamt sechs Qualifikationen für das olympische Basketball-Turnier mit den besten Platzierungen 6 und 7. Bei der bis heute einzigen WM-Teilnahme sprang im Jahr 1967 immerhin der 5. Platz raus. Wesentlich erfolgreicher verliefen da schon die Kontinentalkämpfe.

Die Bauer-Männer enttäuschten in Slowenien

Dirk Bauermann
Dirk Bauermann / Foto: ard.de

Größter Erfolg Polens bei einer Europameisterschaft war die Silbermedaille 1963, Bronze gab es immerhin 1939, 1965 und 1967.

 

Bei der EM im eigenen Land sprang 2009 immerhin der 9. Platz heraus. Fünfstellige Besucherzahlen bei den Finalspielen in Lodz und Kattowitz sorgten für einen zwischenzeitlichen BaBa-Boom in Polen.

 

Die EM 2013 in Slowenien war bereits die 26. EM-Teilnahme für die vor einem Jahr noch von Dirk Bauermann gecoachten Auswahl. Nach einer souveränen Quali-Runde mit Platz 1 vor Finnland, Belgien, Schweiz und Albanien enttäuschte das Bauermann-Team beim EM-Endrundenturnier in Slowenien ähnlich wie der westliche Nachbar. Den letzten Vorrunden-Platz in einer Gruppe mit Spanien, Kroatien, Slowenien, Tschechien und Georgien hatten wohl nur Dauer-Pessimisten erwartet. Platz 21 in der Endabrechnung war zu wenig. Den einzigen Sieg für die Bauer-Männer gab es im bedeutungslosen letzten Spiel mit 71:61 gegen Gastgeber Slowenien.

 

Dirk Bauermann coachte die polnische Auswahl von März 2013 bis Januar 2014. In den vier Jahren zuvor zeichnete sich der ebenfalls aus der BBL bekannte Israeli Muli Katzurin für die Nationalmannschaft verantwortlich.

Jubel in Zgorzelec

Das Logo von Turow Zgorzelec

In der polnischen Basketball Liga Polska Liga Koszykowski - kurz PLK - treten derzeit zwölf Mannschaften an. Vor wenigen Wochen sicherte sich Turów Zgorzelec erstmalig in der Vereinsgeschichte mit einer 4:2-Serie über den Vorjahresmeister Stelmet Zielona Góra den höchsten nationalen Titel und darf damit in dieser Saison 2014/2015 in der Euroleague antreten. Die polnische Nachbarstadt von Görlitz trifft dabei in der Hammer-Gruppe C auf den FC Barcelona, Panathinaikos Athen, Fenerbahce Istanbul, Empori Mailand und den FC Bayern.

 

Hätte sich Stelmet Zielona Góra vor einigen Wochen in der nationalen Finalserie durchgesetzt, wäre es vielleicht zu einem Wiedersehen mit Chevon Troutman gekommen. Denn nach drei Jahren im Dress der Bayern verabschiedete sich „Chevy“ nach der abgelaufenen Saison mit dem Meisterpokal im Gepäck in Richtung Zielona Góra. Auch dort können deutsche Basketball-Freunde Spiele live sehen, denn diese Stadt liegt gerade einmal 90 Kilometer nordöstlich von Cottbus.

Lehrgeld für Stelmet

Das Logo von Stelmet Zielona Gora

In der vergangenen Saison zahlte Stelmet Zielona Góra international ordentlich Lehrgeld, was angesichts der Euroleague-Vorrundengruppe mit den Gegnern Olympiacos Piräus, Galatasaray Istanbul, Unicaja Malaga, Montepschi Siena und dem FC Bayern auch nicht wirklich überraschen darf. Mit einer 2:8-Bilanz belegte man den letzten Platz in der Vorrundengruppe der EL. Immerhin konnte im heimischen Centrum Rekreacyjno-Sportowe mit seinem Fassungsvermögen von 6.080 Zuschauern am dritten Spieltag Siena mit 73:65 besiegt werden. Der zweite Sieg gelang den Polen am sechsten Spieltag dann im Audi-Dome des FC Bayern. Mit 78:71 sorgten die Grün-Weißen für Ernüchterung bei den Rot-Weißen. Danach setzte es nur noch Niederlagen und den „Abstieg“ in den Eurocup. Dort hatten die Jungs aus der knapp 120.000 Einwohner großen Universitätsstadt Zielona Góra etwas Pech mit der Gruppenzuteilung Unics Kazan, Valencia Basket und Telnet Ostende. Mit einer 1:5-Bilanz stand am Ende auch in der „Europa Liga 2“ der letzte Gruppenplatz in der Bilanz.

 

Marcin Gortat: Von K*** in die NBA

Marcin Gortat
Marcin Gortat / Foto: pinger.pl

Bekanntester Spieler der Polen ist Marcin Gortat, der seit 2007 in der NBA spielt. Nach drei Jahren bei den Orlando Magic und weiteren drei Jahren bei den Phoenix Suns steht der 2,13 Meter große Center/Power Forward seit 2013 bei den Washington Wizards unter Vertrag, mit denen er in der abgelaufenen Saison für so manche Überraschung sorgte. Gortat selbst sorgte mit einem Schnitt von 13 Punkten in den Play Offs für beachtliche Zahlen. Derzeit ist Gortat Free Agent. Doch nicht nur wegen seiner NBA-Präsenz ist der 30-jährige Hüne in Basketball-Deutschland bekannt. Vor seinem Sprung über den großen Basketball-Teich schnürte der Sohn eines Boxers von 2003 bis 2007 für RheinEnergie K*** (der Verfasser dieser Zeilen ist Düsseldorfer, daher kann und darf ich den Namen dieser Stadt nicht ausschreiben…) die Sneakers und feierte mit den Rheinländern 2006 die Deutsche Meisterschaft. Bei der NBA-Draft 2005 wurde Gortat an 57. Stelle von den Phoenix Suns gezogen.

Meister Lampe

Maciej Lampe
Maciej Lampe / Foto: sport.pl

Neben Marcin Gortat gibt es zwei weitere Landsmänner, die sich NBA-Spieler nennen dürfen. Cezary Trybański spielte von 2002 bis 2004 für die Grizzlies, die Suns und die Knicks. Und natürlich Maciej Lampe, der neben dem polnischen auch noch einen schwedischen Pass hat. Der spielte von 2003 bis 2006 bei den Suns, den Hornets und den Rockets, bevor er seine bis heute höchst erfolgreiche Zeit in Europa fortsetzte. St. Petersburg, Chimki, Maccabi Tel Aviv, Unics Kazan, Caja Laboral und aktuell FC Barcelona (seit 2013) lassen sich auf der Visitenkarte eines jeden Basketballers mehr als gut sehen. Mit Barcelona gewann Lampe in diesem Jahr die spanische Meisterschaft, nachdem er 2011 mit Kazan sogar den Eurocup an die Hallendecke stemmen konnte. „Meister Lampe“ gilt als einer besten 4/5er in Europa.

 

Sowohl Gortat als auch Lampe spielen in den Planungen von Nationaltrainer Mike Taylor für diesen Sommer eine große Rolle. Daneben sollte die deutsche Mannschaft noch auf den Veteranen Lukasz Koszarek (PG, Zielona Gora) und die Youngsters Mateusz Ponitka (Forward, Asseco Prokom) und Przemyslaw Karnowski (C, Gonzaga Bulldogs/NCAA) aufpassen.

 

Mit dem Berliner Albatross David Logan und Thomas Kelati stehen zwei gebürtige US-Amerikaner im erweiterten Kader der Polen, die mittlerweile einen polnischen Pass bei sich führen. Gleichzeitig dürfen die beiden Jungs nach FIBA-Regularien allerdings nicht auf dem Parkett stehen.

Mike Taylor: In Ulm und um Ulm herum

Mike taylor und jubelnde Spieler
Mike Taylor / Foto: team-ulm.de

Auswahltrainer Mike Taylor ist in Deutschland ebenfalls gut bekannt. Vor allem natürlich in Ulm und um Ulm herum. 2001/2002 coachte er den BV Chemnitz 99 und feierte mit den 99ers den Aufstieg in die 2. Liga. Nach einem Jahr in England ging es 2003 zurück nach Deutschland, wo Taylor in Ulm anheuerte. 2006 gelang der Aufstieg in die BBL, wo sich die Ulmer auf Anhieb etablierten. Am 20. April 2011 wurde er mit sofortiger Wirkung von Spiel- und Trainingsbetrieb freigestellt, nachdem er auf einer kuriosen Pressekonferenz bekannt gab, dass sein Vertrag in Ulm nicht verlängert wird. „Mike T“ betreibt mit viel Akribie die eigene Internetseite www.taylorhoops.com/.

 

In der FIBA-Weltrangliste liegt Polen auf Rang 40, Stand September 2013.

 

Die deutsche Bilanz gegen Polen ist knapp positiv. In bisher 32 Aufeinandertreffen der Nachbarn behielten die deutschen Korbjäger 19 Mal die Oberhand. Trotz „nur“ 13 Niederlagen aus deutscher Sicht spricht das Korbverhältnis mit 2.506:2552 für die Polen. Das letzte Duell gab es am 12. August 2012 beim Supercup in Bamberg, welches Deutschland knapp mit 78:74 für sich entschied.

 

Deutschland gegen Polen - Die Bilanz

 

Polen auf der Homepage der FIBA Europe

 

Die Termine in der EM-Quali

So., 10. August 2014 (1. Spieltag)

20.00 Uhr (voraussichtlich live auf sportschau.de)

POLEN - DEUTSCHLAND

in Torun/Polen

 

Mi., 20.08.14 (4. Spieltag)

20.00 Uhr (live auf EinsPlus)

DEUTSCHLAND - POLEN

Bonn, Telekom Dome

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Kommentare: 3
  • #1

    Gilberto Neiss (Sonntag, 22 Januar 2017 02:06)


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  • #2

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