"Du weißt schon, ich komme klar!"

Die Welt, wie sie ist. Hier schreibe ich über die kleinen Dinge des Alltags.


Şalgam Suyu - Oder: Das Kribbeln an der Unterlippe

Ein Mann mit einer Flasche Salgam Suyu

(08.08.17) Meine heutige Lektion „Kurdisch lernen“ habe ich mit einem gastronomischen Erlebnis verbunden. „Erlebnis“ ist dabei etwas untertrieben, „Mutprobe“ würde es wohl eher treffen.

 

Oder wie würdet Ihr den Verzehr eines Getränkes nennen, das auf den harmlos klingenden Namen Şalgam Suyu [Schalgam Suju] hört, dessen Bestandteile sich allerdings aus Wasser, Steckrüben, roter Bete, Paprika, Hefe, Salz und Knoblauch zusammensetzen. Ja, richtig gelesen.

 

Steckrübensaft. Mit Knoblauch.

 

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Freunde und Helfer

Ein Polizist und ein Streifenwagen.
(Foto: Heiko Barth, Fotolia)

(03.02.17) Als langjähriger Geocacher überrascht mich bei der Dosensuche so schnell nichts mehr. Heute war das anders.

 

Der Grund: Die Polizei in Bamberg.

 

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Arbeitslatzbeschreibung

(29.05.16) Ich habe es endlich getan. Manche tun es in jungen Jahren, manche etwas später mit Eintritt ins Berufsleben. Manche werden damit geboren. Ich habe 46 Jahre dafür gebraucht. Ich hab mir eine Arbeitshose gekauft.

 

Letzte Woche. Beim Discounter, günstig und trotzdem schick. So mit richtigen Taschen für Werkzeug und gepolsterten Knieschützern. Und dann natürlich gleich sofort die Luxus-Version. Eine richtige Arbeits-Latzhose ziert jetzt meinen Schrank. So eine, die Peter Lustig vor Neid hätte erblassen lassen. Wenn, ja wenn er nicht vor wenigen Wochen leider endgültig den Hammer aus der Hand gelegt hätte.

 

Die revolutionäre Nachricht meiner Arbeitshose verbreitete sich in meinem Familien- und Freundeskreis – pardon, meinem ehemaligen Freundeskreis – wie ein Lauffeuer. Tom hat eine Arbeitshose. Topfrage bei 10 von 10 Bekannten war anschließend: "Was willst DU damit?", direkt dahinter auf Platz 2 (8 von 10): "Für wen?".

 

Man darf es meiner Familie und meinen Freunden – pardon, Ex-Freunden – nicht übel nehmen.

 

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Allein im Museum

Kunstgegenstände in einem Museum

(07.04.14) Um der allzu hektischen Welt um mich herum mal für ein paar Momente zu entfliehen, suche ich gerne einen ruhigen Platz auf. Ich meine jetzt nicht das Stadion von Fortuna Köln. Nein, ich gerne einfach gerne ab und an ins Museum. So auch am vergangenen Samstag in Würzburg.

 

Noch gezeichnet vom Abend zuvor mit der unfassbar guten Stimmung bis hin zur Tinnitusgefahr in der Basketball-Arena in Nowitzki-Town hatte ich noch ein paar Stunden Zeit bis zur Abfahrt in die Heimat. Und die nutzte ich zum Besuch des Museums im „Kulturspeicher“ am Würzburger Hafen. Richtig gelesen, Würzburg hat einen Hafen. Da fällt mir ein Witz ein. Unterhalten sich zwei Kollegen. Sagt der eine: „Und, wo warst Du im Urlaub?“ – „In Bochum an der Ostsee.“ – „Aber Bochum liegt doch gar nicht an der Ostsee?!?“ – „Ach, deshalb war es immer so weit bis zum Strand.“ Okay, der Witz auf Fips Asmussen-Niveau war blöd und ich schweife vom Thema ab. Würzburg hat einen Hafen. Basta.

 

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Kochen mit Menz - Oder: Im Küchen-Eins-gegen-Eins gegen Dirk Nowitzki

Das Logo des Basketball-EM 2013 und Tom Kleine mit Kochmütze

(01.09.13) Mahlzeit! Vom 4. bis 22. September 2013 findet in Slowenien die Basketball-Europameisterschaft statt. Nicht nur die junge Truppe von Bundestrainer Frank Menz steht vor einer echten Herausforderung. Auch meine Freundin und ich stehen in den Startlöchern.

 

Oder besser gesagt in der Küche. Denn wir werden die Spiele der deutschen Mannschaft nicht nur am TV oder über Stream begleiten, sondern auch am Kochlöffel. Wir werden uns während der fünf Vorrundenspiele in den ersten sechs EM-Tagen kulinarisch an dem jeweiligen Gegner der deutschen Korbjäger orientieren.

 

Und die heißen Frankreich (4.9., 21 Uhr), Belgien (5.9., 17.45 Uhr), Ukraine (6.9., 14.30 Uhr), Großbritannien (8.9., 14.30 Uhr) und Israel (9.9., 17.45 Uhr).

 

Wer sich an meinen "Ich bin dran mit Kochen..."-BLOG erinnert, der wird erahnen, dass...

 

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„Wo die Menschen gut drauf sind, da kann man sich wohlfühlen!“

Chris Bengtsson mit Basketball auf dem Biggeblick in Attendorn.

(26.07.13) Nach neun Jahren in den USA lebt und arbeitet der Schwede Christian Bengtsson nun im Kreis Olpe. Und zappelt bei der Basketballgemeinschaft Biggesee nun am Haken von Dan Baethcke…

 

Ein Schwede, der in München geboren wurde, zuletzt neun Jahre in den USA gelebt und studiert hat und nun das Leben im Sauerland kennenlernt. Spannend ist sie allemal, die Vita des Christian Bengtsson. Der 26-jährige lebt und arbeitet seit einigen Wochen in Attendorn und spielt für die BG Biggesee Basketball. Im Gespräch mit Tom Kleine erklärt Chris die Unterschiede zwischen Amiland und Sauerland und erzählt über Pizza in Attendorn und Beffprobe in Olpe.


ISTANBUL SENI SEVIYORUM! - Istanbul 2013

Sechs Männer mit Gebetsmützen in Istanbul

(30.05.13) "Willst Du mit nach Istanbul?" Mit dieser Frage meines Freundes Aziz Dogru Anfang des Jahres begann ein Traum, der für mich vom 1. bis 4. Mai 2013 wahr wurde. Dies ist der Bericht einer besonderen Reise.

 

Wer nun allerdings einen typischen Reisebericht mit allen kulturellen und geschichtlichen Infos über Istanbul erwartet, der kann aufhören zu lesen oder sich direkt an unseren Mitfahrer Gerrit ("Der Philosoph") wenden... ;-) Ich beschränke mich in diesem Bericht auf Wikipedia- und anderen Verlinkungen.

 

Wer jedoch einfach nur die Geschichte der sechs Attendorner Sven Bonacker, Gerrit Schiffer, Besnik "Niko" Mamaj, Aydo Gündogan, Aziz Dogru und meiner Wenigkeit, die vier lustige, aufregende und lehrreiche Tage bei einer Studien- und Kulturreise in einer der fazinierendsten Städte auf dieser Erde lesen möchte, der ist hier richtig.

 

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Mit paarungswilligen Affenmännchen in den Tag - Ich habe einen neuen Wecker

Ein Wecker
Sieht harmlos aus...

(02.12.12) Morgens um halb 6 ist die Welt noch in Ordnung. Es sei denn, man hat einen neuen Wecker. So wie ich. Dann drohen Polizeieinsätze und fragende Blicke der Nachbarn. Doch wie immer der Reihe nach.

 

Was war geschehen? Zunächst einmal gab mein guter alter Standard-Wecker seinen Zeiger auf. Im wahrsten Sinne des Wortes hatte sich dieser so dämlich aus der Schraube gedreht, dass man die Weckzeit nur noch auf 6 Uhr, 9 Uhr, 12 Uhr und 3 Uhr stellen konnte, je nachdem, wie man den Wecker kippte. Die Ausrede „Mein Wecker stand auf dem Kopf“ nimmt einem im Büro irgendwann auch keiner mehr ab.

 

Es wurde also Zeit für einen neuen Wecker. Der trägt den Namen NC7093, könnte aber genauso gut auf den Namen R2D2 hören. Denn ähnlich wie sein quirliger Vetter aus der Star Wars-Filmserie führt mein neuer Wecker ein Eigenleben.

 

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Birmingham City erobert Europa - Oder: was macht die Diddel-Maus von Mandy Chantal?

Ein Travel Bug-Anhänger mit einem Anhänger von Birmingham City

(18.10.12) Freunde, Gönner und Kritiker wissen, was mich derzeit durch die Wälder Attendorns schleichen lässt. Gerne mal abends um 11 durch Rhode oder morgens um 8 auf der Atta-Höhle, so geschehen heute im Morgengrauen. Richtig: Geocaching.

 

Vor einigen Tagen habe ich auf dieser Seite von Ferdinand, dem Fußballer, erzählt. Das brachte mich auf die Idee, meinen ersten eigenen Travel Bug (TB) auf die Reise zu schicken. Das heißt, ich kette einen Gegenstand an eine offizielle Travel Bug-„Hundemarke“, die ich mir zuvor im Internet bestellt habe, logge die im Internet ein und lege die in eine dieser Tupperdosen im Wald ab, die unsere Geocacher-Herzen so höher schlagen lassen. Dieser Gegenstand kann alles sein. Ferdinand, der Fußballer, ein Schlüsselanhänger oder eine Diddel-Maus. Letztgenannte hab ich neulich...


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"Ferdinand the Footballer" meets "Tom the Beginner"

Eine Plastik-Figur mit einem Travel Bug-Anhänger

(13.10.12) Gestatten, mein Name ist „Ferdinand, the Footballer“. Ich komme aus England. Zurzeit wohne ich bei Tom Kleine in Attendorn. Aber nur für kurze Zeit, dann reise ich weiter. Wie das alles so kommt? Dank Geocaching natürlich.

 

Ich bin ein sogenannter „Travel Bug“. Klingt komisch, ist aber so. Travel Bugs wie ich sind Sachen, die jemand auf eine lange Geocaching-Reise schickt. In der Hoffnung, dass mich jemand findet, der mich anschließend gut pflegt und mich wieder woanders ablegt, damit ich viel von der Welt sehe.

 

Mein Besitzer hat mich im November 2010 auf die Reise geschickt. Und zwar im Südwesten von England. Mein erstes Versteck lag bei Gillingham. Dort hat mich ein Geocacher eingesammelt und nach Somerton gebracht. Und so ging die Reise monatelang durch ganz Großbritannien weiter. Bis mich ein deutscher Geocacher im April 2012 in den schottischen Highlands...


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Nacht-Cachen, Nackt-Cachen und Nachtschnecken

Eine nachts gehobene Geocaching-Dose
Garantiert nicht aus dem REWE.

(03.10.12) Es war eigentlich eine ordentliche Party. Die Gäste gut drauf, das Bier gut gekühlt, die Musik in Ordnung. Was veranlasst einen da, diesen Ort bereits nach einer Stunde zu verlassen? So geschehen gestern Abend in Attendorn. Ich sag nur: Geocaching.

 

Geo…was?

 

Ich hab mich letzte Woche bei der besten Mama von allen geoutet: „Mama, Du musst jetzt ganz tapfer sein. Ich bin jetzt Geocacher.“ – „Was ist denn das?“ – „Jemand versteckt eine Tupperdose mit Schätzen im Wald und gibt die Koordinaten des Verstecks ins Internet ein. Diese Daten lade ich mir auf ein GPS-Gerät oder ins Handy und beginne dann, die Tupperdose zu suchen. Sozusagen eine moderne Schnitzeljagd.“ – „Kannst Du Dir denn nicht einfach eine Tupperdose im REWE kaufen?“

 

Recht hat sie ja, die Mutti. Aber im Supermarkt...

 

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"Ich bin dran mit Kochen..."

Tom lafert lecker.
Tom lafert lecker.

(24.09.12) Neulich bei meinem Stammburgerbrater und Pommes-Dealer an einem namhaften Teich" in Attendorn traf ich einen Bekannten. „Na, auch Hunger?“ – „Nee, ich bin dran mit Kochen…“

 

Dieser Dialog zeigt mein Dilemma. Ich kann nicht wirklich kochen. Also irgendwie muss es ja gehen. Zumindest sehe ich ja mal nicht unterernährt aus. Und ich probiere echt viel aus, denn ich hab 'ne schicke Schürze. Aber aus mir wird niemals ein Mälzer oder ein Lafer. Und noch nicht einmal ein Lichter.

 

Unvergessen die Knödel, die ich einst meinen Jungs zelebrieren wollte. Die haben es immerhin in die facebook-Fotogalerie „Mein Papa versucht zu kochen“ (48 Bilder) geschafft, die mein Sohn angelegt, aber...


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"Heimspiel für Helena" - Erneut Olympischer Glanz beim 19. Taekwondo-Camp in Attendorn

Bronzemedaillen-Gewinnerin Helena Fromm kommt zum 19. Taekwondo-Camp nach Attendorn - Hochrangige Referenten geben an drei Tagen ihr Wissen weiter

Helena Fromm
(Quelle: www.helena-fromm.de)

(09.09.2012) Vom 14. bis zum 16. September 2012 findet in der Rundsporthalle Attendorn das 19. Internationale Taekwondo-Camp des KDK Attendorn e. V. statt. Die Teilnehmer, die wie in den Vorjahren wieder aus dem gesamten Bundesgebiet (und teilweise aus dem Ausland) anreisen werden, erwartet an allen drei Tagen wieder Breiten- und Spitzensport in Perfektion. Und das mit weltbekannten Spitzensportlern, die ihr Fachwissen an die Trainingsteilnehmer weitergeben werden.

 

In diesem Jahr ist es dem KDK-Vorsitzenden Antonio Barbarino und seinen Mitstreitern sogar gelungen, olympischen Glanz in die Hansestadt zu holen. Olympiasieger Servet Tazegül aus der Türkei kommt wie schon im Vorjahr nach Attendorn. Nicht fehlen dürfen natürlich auch Publikumsliebling Henk Meijer aus den Niederlanden, der ehemalige Weltsportler Hadi Saei aus dem Iran und viele andere Welt- und Europameister.

 

Darüber hinaus kommt es zu einem „Heimspiel für Helena“ in Attendorn. Die Taekwondo-Kämpferin Helena Fromm aus Arnsberg-Oeventrop holte vor wenigen Wochen in London die Bronzemedaille für Deutschland und sorgte damit für einen kollektiven Freudenschrei im Sauerland.

 

Vor ihrer Teilnahme am KDK-Camp nächste Woche in Attendorn stellte sich Helena Fromm den Fragen von Tom Kleine.

 

Zum Interview mit Helena Fromm geht es HIER.


"Wir bilden keine Schläger aus!" - Der dreifache Europameister Mark Nash im Interview

Mark Nash

Seit dem Jahr 2011 wird beim Verein KDK Attendorn e. V. neben Tae Kwon Do, Hap Ki Do und Boxen auch Kickboxen angeboten. Diese Abteilung erfreut sich großer Beliebtheit.

 

Einer der Gründe für den großen Zulauf der Kickbox-Abteilung heißt Mark Nash (Foto). Der im Jahr 1965 in London geborene Engländer darf sich dreimaliger Europameister und sechsmaliger englischer Landesmeister im Kickboxing nennen und blickt dabei auf zahlreiche Einsätze in der englischen Nationalmannschaft zurück. Seit 1993 wohnt „Nashy“ in Deutschland, seit drei Jahren in Attendorn. Und genau dort leitet der Lkw-Fahrer im Nahverkehr nun als Trainer erfolgreich die Kickbox-Abteilung beim KDK Attendorn e. V..

 

Im Gespräch mit Tom Kleine äußert sich Mark Nash über seinen Sport und dessen Image, Kickboxen in Attendorn und die Rolle der Frauen im Kampfsport.

 

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Von 4-Mark-Pfeilen und dem "Bullshit"-Cup

Als ich gestern Abend in der Schützenhalle Benolpe die Pfeile hab fliegen sehen, da kam ich ins Grübeln. Woher kommt eigentlich meine Liebe zum Dart-Sport? Wie fing alles an?

 

Wie viele andere auch habe ich wohl die ersten Darts als Kind auf eine dieser Klett-Scheiben geworfen, die man als Trostpreis auf einem Schützenfest...

 

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Ein Überraschungsprinz auf Schlittschuhen und goldene Becher auf dem Gauklerfest

Es gibt mal wieder was Neues bei facebook. „Future View“ heißt das Programm. Damit kann man in seine eigene und in die Zukunft seiner facebook-Freunde schauen. Ich habs ausprobiert. Mit sehr erstaunlichen Ergebnissen. Aber lest selbst, was auf uns in 2012 zukommen wird…

 

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“Es gibt Momente, die einen für das stundenlange Training entschädigen!”

Seit dem Jahr 2008 ist der 23-jährige Dominik Ivo als Radprofi unterwegs. So auch beim 14. Sparkassen-Giro am vergangenen Wochenende in Bochum, wo der Grevenbrücker bei der Vorstellung des Fahrerfeldes (unter anderem mit den Tour de France-Teilnehmern Christian Knees, Gerald Ciolek, Grischa Niermann und Linus Gerdemann) als „echter Attendorner Junge“ den zehntausenden von Zuschauern am Streckenrand vorgestellt wurde.

 

Attendorner Junge stimmt, denn Dominik Ivo stammt zwar aus Lennestadt, aber seine sportlichen Wurzeln liegen in der renommierten Radsportabteilung des TV Attendorn.

 

Nach dem Sparkassen-Giro hatte ich die Gelegenheit, mit dem Radprofi des Teams TT Raiko Argon 18“ zu sprechen. Im Gespräch äußerte sich Dominik über die Faszination Radsport, das erste Fahrrad und den Keller von Manfred Hennes.

 

Das komplette Interview gibt es HIER.


Mit Moritz Fiege auf Tana Schanzara

Schön wars in Bochum. In der Grönemeyer-Stadt fand gestern der 14. Sparkassen-Giro der Radprofis statt. Also hab ich diesmal schön die Damen und Herren Profis fahren lassen, statt selbst in die Pedale zu treten.

 

Auch wenn die ganz großen Stars der Szene bereits beim Derny-Rennen am Samstag am Start waren (u. a. der frischgebackene TdF-Gewinner Cadel Evans aus Australien, Alessandro Petacchi und der amtierende Deutsche Meister Robert Wagner), konnte sich das Starterfeld am Sonntag....

 

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Tom Kleine ist ein "Wollsager"

Habt Ihr eigentlich alle Tassen im Schrank? Ich glaube nicht...

 

Und deshalb habe ich mit Susanne Filthaut im Jahr 2011 das Projekt "Wollsager" ins Leben gerufen.

 

Ab sofort gibt es Attendorn-Tassen, so einmalig wie unsere Postleitzahl 57439.

 

Und damit das Frühstück ab jetzt doppelt so gut schmeckt, gibt es das passende Brettchen dazu.

 

Diese und weitere 57439-Produkte findet ihr in unserem Shop auf unserer Homepage www.wollsager.de oder in einigen Verkaufsshops in Attendorn.

 

Viel Spaß damit, woll?!?


Gesäßcreme ist fürn Arsch...

Den Regenerationstag nach der langen Trainingsfahrt gestern nutze ich, um mit Euch über Gesäßcreme zu reden. Ja, richtig gelesen. Gesäßcreme ist das Stichwort. Darauf schwören die Rennradfahrer. Also die Profis ebenso wie die blutigen Anfänger wie ich.

 

Man studiert Fachmagazine, Literatur und hört den Profis zu. Schließlich will ich ja alles richtig machen. Und plötzlich radelt man „unten ohne“ und trägt statt Unterhose Gesäßcreme auf. Wer sich schon mal den Wolf geradelt hat, der stimmt ein Loblied auf dieses Pflegemittel an.

 

 

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Totilas, ohne Chips: Ich hab den Leo Messi auf vier Beinen gesehen

Durchnass bis auf die Haut, deutlich unterkühlt und von dem Gesehenen nicht den Hauch von Ahnung. Aber ich hab ihn gesehen, den Messias…ähem sorry, den Totilas. Und zwar gestern auf Schloss Wocklum in Balve.

 

Einmal im Jahr trifft sich dort die deutsche Dressur- und Springreiter-Elite zum „Balve Optimum“. Die Zuschauerzahlen da sorgen jährlich mal....

 

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Post aus Oregon

Meine erste Postkarte als Postcrosser ist heute im Briefkasten gelandet.

 

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Die Löwensenf Lions - Oder: Vereinsname gesucht...

Die DEG und die Metro-Gruppe werden sich nach der Saison 2011/2012 trennen. Damit verbunden ist logischerweise auch die Änderung unseres Vereinsnamens von DEG Metro Stars in…? Ja, das ist die große Frage, dir mir schon jetzt Kopfzerbrechen bereitet.

 

 

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CCCP: Mit Victor Tichonov auf dem Hettmecker Teich

Einen sentimentalen Moment hatte ich während der Fernseh-Übertragungen der Eishockey-WM 2011. Da saß er plötzlich im Publikum, eingefangen von der Kamera: Victor Tichonov. Der fast 81-jährige ist einer der Gründe, warum ich als kleiner Junge mein Herz an Puck und Schläger verlor.

 

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25.04.2011: Unser Netzer heißt Goldmann - Hockeykorso durch den Kreisverkehr

Autofahrer in Attendorn, aufgepasst! Wenn Ihr in den nächsten drei Wochen alle paar Tage einen hupenden Autofahrer durch die Kreisverkehre unserer Stadt seht und hört, dann wundert Euch nicht. Ist schließlich Eishockey-Weltmeisterschaft. Und was die Fußballer nach Siegen können, darf ich ja wohl auch…

 

Vom 29. April bis zum 15. Mai 2011 messen sich die besten Eishockey-Teams der Welt...

 

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25.04.2011: Ostern bei Mama

Ostern bei Mama. Sie glaubt fest an Kloppos Jungs...


20.04.2011: Fahrrad zu Verklauen - Die kriminellen Omis vom Grünen Weg

Bei uns am Grünen Weg in Attendorn herrscht die pure Kriminalität. Im Mittelpunkt stehen zwei rüstige alte Damen, die ein Fahrrad zum Klauen anbieten. Doch wie immer der Reihe nach…


Meine Nachbarin erhält sehr oft Besuch von ihrer Freundin. Und bei einem dieser Besuche entstand offenbar die fiese Idee,...


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17.04.2011: Die HARIBO-Bande hat wieder zugeschlagen...

Eilmeldung: Haribo-Räuber schlagen in Attendorn zu ++Stop++ Tom Kleine sitzt verzweifelt vor einer leeren Tüte ++Stop++ Dringend tatverdächtig sind zwei Jugendliche, die seit Freitag in der Wohnung des Geschädigten waren und zuletzt am Tatort gesehen wurden ++Stop++ Wer kann Angaben zu den üblen Gesellen machen?


Alle Beiträge in der Übersicht

Şalgam Suyu - Oder: Das Kribbeln an der Unterlippe

Ein Mann mit einer Flache Şalgam Suyu.
Ruhe vor dem Sturm.

Meine heutige Lektion „Kurdisch lernen“ habe ich mit einem gastronomischen Erlebnis verbunden. „Erlebnis“ ist dabei etwas untertrieben, „Mutprobe“ würde es wohl eher treffen.

 

Oder wie würdet Ihr den Verzehr eines Getränkes nennen, das auf den harmlos klingenden Namen Şalgam Suyu [Schalgam Suju] hört, dessen Bestandteile sich allerdings aus Wasser, Steckrüben, roter Bete, Paprika, Hefe, Salz und Knoblauch zusammensetzen. Ja, richtig gelesen. Steckrübensaft. Mit Knoblauch.

 

Dem Blick der kurdischen Fachverkäuferin meines Vertrauens entnahm ich heute Mittag beim Kauf der Flasche Şalgam Suyu Skepsis. Wahrscheinlich hat noch nie zuvor eine deutsche Kartoffel nach diesem Elixier aus der türkischen Küche gefragt, geschweige denn, diesen Zaubertrank gekauft und verzehrt. In Adana und im Süden der Türkei schwören die Menschen auf das Getränk, gerne auch in Verbindung mit Raki.

 

Meine kurdische Azubi, der ich den täglichen Sprachkurs verdanke, war jedenfalls stolz auf mich und meinen Mut. Außer ihrem Opa traut sich in ihrer Familie selbst niemand an den roten Saft. Und der Opa ist gesund, wie sie mir versicherte. Der schwört auf das Zeug, das gut sein soll für den Stoffwechsel. 

Eine Flasche Salgam Suyu

Außerdem gegen müde Beine, Ischias, Husten, Rücken, Kopfweh und Fußpilz. Glaube ich zumindest nach dem vorsichtigen Verzehr des ersten Schluckes Şalgam Suyu.

 

Nach dem Öffnen der Flasche entfaltet sich der Steckrüben-Knoblauch-Geruch zunächst einmal im ganzen Raum. Beim nächsten G 20-Gipfel in Hamburg sollte sich die Polizei mit diesem Gemisch wehren. Jeder militante Demonstrant würde die Flucht ergreifen.

 

Seit meinem ersten Schluck sind nun fünf Stunden vergangen. Ich fühle mich fit. Das leichte Kribbeln an der Unterlippe wird bestimmt auch eines Tages aufhören. Aber was soll ich machen? Şalgam Suyu macht halt alt. Dank des doch recht hohen Anteils an Knoblauch aber auch sehr einsam…

 

Da muss ich jetzt wohl durch.

 

Noş!

 

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"Der Mayer hat gefi..., olé, olé!" - Oder: Wir hatten doch nichts!

Tom Kleine und Frank Mayer
Der Tom und der Frank.

Was habe ich mich gefreut, sie alle mal wiederzusehen, die Fortuna-Legenden, die sich während der Saisoneröffnung am vergangenen Wochenende in geballter Form am Flinger Broich eingefunden hatten.

 

Während Wilfried Woyke, Dietmar Grabotin, „Pitter“ Meyer und Waldi Gerhardt beim Straßenfest unterm Pavillion der AG Fortuna-Geschichte geduldig Autogrammkarten und sogar alte Sitzschalen aus dem Rheinstadion signierten, gaben sich auf dem „Helmut-Pöstges-Platz“ neben dem „Paul Janes“ weitere Helden im rot-weißen Trikot die Ehre. Da zog Egon Köhnen noch einmal an der Fluppe, um sich auf das Duell mit der Betriebssportgemeinschaft der Stadtwerke Düsseldorf vorzubereiten. In rauchender Gesellschaft von Kultbetreuer Aleks Spengler, der das Spiel nachher als Schiedsrichter leiten sollte. „Pico“ Niestroj war da, Robert Palikuca ebenso. Und natürlich Gerd Zewe. Sie alle wollten ein Selfie mit mir. Ging klar, Ehrensache.

 

Über einen der Strategen habe ich mich besonders gefreut. Frank Mayer, unsere Maschine aus Euskirchen. Zwar hat er heute nicht mehr viel mit Fußball am Hut, die Traditionsmannschaft der Fortuna darf aber dennoch ab und an auf seine Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor bauen. Und auf sein Mundwerk. Herrlich, wie sich die Jungs aus der Tradi-Mannschaft beim Wiedersehen angefrotzelt hatten.

Blond frisiert und immer unter Strom

Als Frank Mayer zur Saison 2001/02 zur Fortuna kam, hatten wir doch nichts, um es mit den Worten von Oma und Opa auszudrücken. Gut, als er nach der Saison 2004/05 ging, hatten wir immer noch nichts. Außer zwei Jahren in der Regional- und sogar zwei Jahre in der viertklassigen Oberliga. Aber in diesen sportlich bitteren Jahren war Frank Mayer neben Axel und „Lumpi“ die Klammer, die die letzten verblieben Fans davon abhielt, in den Rhein zu springen oder sich andere Hobbys zu suchen.

 

Es waren nicht nur die 46 Tore, die Mayer in den 117 Pflichtspielen für Fortuna schoss. Es war vor allem der Typ Frank Mayer. Blond frisiert, tätowiert, immer unter Strom, immer Vollgas in Richtung gegnerisches Tor oder wahlweise in Richtung Schiedsrichter. Oder in Richtung Theke nach dem Spiel, wo er mit uns Fans gerne noch das Geschehene zuvor analysiert hatte. War er mal verletzt oder – was viel wahrscheinlicher war – gesperrt, dann stand der Mayer auf den Stufen im „PJS“ und feuerte seine Mitspieler eben auf diese Weise an.

 

Die Fans dankten es ihm ebenso hart, aber herzlich. Noch heute erinnert sich jeder der 100.000 „damals war ich dabei, ganz ehrlich“ Fortuna-Fans an den legendären Gesang nach dem nächsten Mayerschen Tor: „Der Mayer hat gefickt, olé, olé.“ Nicht so ganz mein Geschmack, aber nun ja, die Oberliga war halt hart.

 

Sein Konterfei zierte T-Shirts, die zur Oberligazeit der Verkaufsschlager im Block waren. Noch vor den drei anderen Merchandise-Artikeln der Fortuna.

 

Nach seiner Zeit in Düsseldorf hießen die weiteren Stationen noch Chemnitz FC, SC Paderborn, Bonner SC, Kaller SC und TSC Euskirchen.

 

Am heutigen 26. Juli 2017 wird unser Frank 40 Jahre jung.

 

Alles Gute, Junge!

 

Frank Mayer auf transfermarkt.de

 

"Frank Mayer: Betzenberg statt Esprit-Arena" (Rheinische Post, 25. Dezember 2014)

 

Zur Bildergalerie der Saisoneröffnung

Frank Mayer jubelt ohne Trikot
"Der Mayer hat gefi..., olé, olé!" (Bild: express.de)

David gegen Goliath: Das war mal anders

Das Logo des VfL Benrath 06

Zu einem geschichtsträchtigen Verein quasi „vor der eigenen Haustür“ führt die Fortuna das letzte Vorbereitungsspiel vor der neuen Saison. Die Rot-Weißen werden am Dienstag, 25. Juli 2017, bei den Schwarz-Weißen des VfL Benrath 06 im Süden Düsseldorfs zu Gast sein.

 

Vor gut einem Jahr stand dieses Spiel bereits auf dem Vorbereitungsplan der Fortuna. Mit 9:0 setzte sich die Funkel-Truppe vor 1.500 Zuschauern im VfL-Stadion an der Karl-Hohmann-Straße (Kapazität: 7.000) durch. Dieses klassische David-gegen-Goliath-Spiel zwischen dem VfL und der Fortuna war in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts ein absolutes Spitzenspiel auf Augenhöhe. Und das nicht nur im Rheinland.

 

Zwar gelang der Fortuna 1933 die (bisher… 😉 ) einzige Deutsche Meisterschaft, die unangefochtene Nummer Eins in der Region waren die Jungs aus Flingern zu der Zeit allerdings nicht. Denn da gab es ja noch den VfL, der 1906 im damals noch eigenständigen Benrath gegründet wurde und in den 30er und 40er-Jahren zur nationalen Elite des deutschen Fußballs gehörte und einige Nationalspieler hervorbringen konnte.

 

Der VfL darf sich Westdeutscher Pokalsieger 1932 und 1933 nennen. Zwischen 1930 und 1935 nahm der VfL fünf Mal an der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft teil und ließ auf dem Weg dorthin in schöner Regelmäßigkeit die Fortuna hinter sich. Die Gegner hießen damals Eintracht Frankfurt, Hamburger SV oder VfB Stuttgart, während man in der kommenden Spielzeit 2017/18 auf den FC Mönchengladbach, den ASV Mettmann, den SC Kapellen und immerhin auf den FC Remscheid treffen wird. Denn aktuell spielt der VfL Benrath in der Landesliga. Und das auch nur denkbar knapp. Erst nach einem längeren Relegations-Marathon vor einigen Wochen konnte sich der VfL in der letzten Saison retten.

 

Der sportliche Tiefpunkt in der über hundertjährigen Vereinsgeschichte liegt noch nicht lange zurück. 2006 stieg der VfL aus der Bezirksliga ab und kickte drei Jahre in der Kreisliga, seit 2012 ist der Deutsche Amateurmeister von 1953 immerhin wieder in der Landesliga unterwegs.

 

Ach ja, der große Mike Büskens hat 1986/87 auch mal ein Jahr in der Jugend des VfL gekickt, bevor er in den Profikader der Fortuna aufrückte.

 

Der VfL Benrath 06 im Netz

Bringt Casspi den Ring nach Israel?

Omri Casspi
(Foto: sports illustrated // www.si.com)

Der israelische Basketball-Star Omri Casspi wechselt innerhalb der NBA zum Champion Golden State Warriors. In Israel wächst damit die Hoffnung, dass es zum ersten Mal einen Meisterschaftsring für einen Israeli geben wird.

 

Überraschend kam er schon, dieser Wechsel. Denn ausgerechnet nach sieben doch recht fetten Jahren mit knapp 500 Spielen in der NBA für Sacramento, Cleveland, Houston und noch einmal Sacramento konnte der 29-jährige Forward mit seinem achten Jahr nicht zufrieden sein. Im Februar 2017 wurde Casspi im Rahmen des Trades von Superstar DeMarcus Cousins von Sacramento zu den New Orleans Pelicans transferiert. Bereits in seinem ersten Spiel für die Pelicans brach sich Casspi jedoch den rechten Daumen. Nach sechswöchiger Verletzungspause wurde der in Holon geborene und in Javne aufgewachsene Israeli zu den Minnesota Timbervolves weitertransferiert.

 

Der 2,06 Meter große Casspi ist sowohl der erste Israeli in der NBA als auch der erste Israeli, der jemals in der ersten Runde eines NBA-Drafts verpflichtet wurde. Nach erfolgreichen Jahren mit Maccabi Tel Aviv ging es 2009 in die USA, wo sich die Sacramento Kings zuvor mit dem 23. Pick die Rechte an Casspi gesichert hatten.

Ein NBA-Meisterschaftsring
(Foto: sports illustrated // www.si.com)

Nun der Wechsel zum Champion aus Oakland in Kalifornien. Casspi hat bei den Warriors einen Einjahresvertrag zum „Veteranenminimum“ (2,1 Millionen Dollar) unterschreiben. Er wird dort Teamkollege der Superstars Stephen Curry und Kevin Durant, allerdings wird der israelische Nationalspieler, der sich derzeit auf die WM im September vorbereitet, wohl mehr den Kader auffüllen und die Auswechselbank der Oracle Arena besetzen.

 

Dennoch hegen die Sportfans in Israel nun natürlich den großen Wunsch, dass die Warriors im kommenden Jahr ihren Titel verteidigen. Denn dann würde Omri Casspi die begehrten Meisterring zum ersten Mal nach Israel bringen.

 

(Tom Kleine)

Gelb im Trikot

Collage Judenstern und Logo Maccabi Tel Aviv

Die Sportler von Maccabi Tel Aviv sind "The Yellows", die Gelben. Dabei wurden die Farbe Gelb und der gelbe Davidstern im Logo von Maccabi Tel Aviv dem ursprünglichen Blau-Weiß aus der Vereinsgründung 1906 (Fußball) bzw. 1932 (Basketball) erst im Jahr 1942/43 zugefügt. Und zwar als Zeichen der Solidarität mit den Opfern des Holocaust.

 

Der Maccabi-Fußballer Yossef Merimovitch war es, der 1942 (oder 1943) mit einem Vorschlag an den Vereinsvorstand herantrat, die Farbe Gelb zur Unterstützung der europäischen Juden, die von den Nazis verfolgt und zum Tragen des gelben "Judensterns" gezwungen wurden, als zusätzliche Vereinsfarbe zu integrieren. Die Horrorgeschichten aus Nazi-Deutschland sickerten in den 40er-Jahren natürlich auch zu den Sportlern und Verantwortlichen von Maccabi nachTel Aviv durch, die sich hiervon geschockt und verletzt zeigten.

 

Merimovitchs Vorschlag fand offene Ohren und wurde vom Maccabi-Vorstand angenommen. Egal ob Fußball, Basketball oder andere Sportarten: Maccabi spielt seitdem und bis heute in Blau UND Gelb. Und nicht nur das. Der gelbe Davidstern wurde zumindest bei den Fußballern auffallend platziert gleich mit in das Vereinswappen aufgenommen.

 

Yalla Maccabi - Lang leben "The Yellows"!

 

(Tom Kleine)

 

 

Quellen:

"The Yellow Jersey"

"The legend of Yossef Merimovitch"

 

 

 

 

Der braune Fleck von Schweinfurt

Das Willy-Sachs-Stadion in Schweinfurt
(Foto: Tom Kleine)

  

„Wir arbeiten Fußball.“ So lautet der Slogan des Fußball-Regionalligisten 1. FC Schweinfurt 05. Dies gilt jedoch in erster Linie für die Arbeit auf dem Platz und weniger für die Vergangenheitsbewältigung von Club und Stadt. Denn gespielt wird nach wie vor im „Willy-Sachs-Stadion“, obwohl der Namensgeber einer der bekanntesten Nationalsozialisten Frankens war.

Auf meinem Rückweg vom Basketball-Euroleague-Spiel zwischen den Brose Baskets Bamberg und Maccabi Tel Aviv legte ich Anfang Februar 2017 einen Zwischenstopp in Schweinfurt ein. Mit eigenen Augen wollte ich sehen, was nicht nur mir seit Jahren undenkbar scheint. Und doch ist es noch immer wahr. Auch 81 Jahre nach seiner Eröffnung im Jahr 1936 trägt das Stadion des fränkischen Traditionsvereins den Namen „Willy-Sachs-Stadion“.

Heimstätte der „Schnüdel“

Das Willy-Sachs-Stadion in Schweinfurt.
(Foto: Tom Kleine)

Die Heimspielstätte des 1.FCS 05 und die angrenzenden Nebenplätze lagen im Nebel, als ich diesen Ort erreichte. Vier Platzwarte präparierten mit Laubbläsern den ordentlich wirkenden Rasen für das am nächsten Tag anstehende Freundschaftsspiel gegen die Zweite Mannschaft des 1. FC Nürnberg. Die vier Flutlichtmasten und die Tribüne mit ihren Wellenbrechern ließen mein Groundhopper-Herz direkt höherschlagen. 860 Sitzplätze auf der Tribüne machen einen kleinen Teil des Gesamtfassungsvermögens von 16.500 aus.

 

Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 war das Willy-Sachs-Stadion das Trainingsgelände der tunesischen Fußballnationalmannschaft. In der aktuellen Saison 2016/17 trifft der 1.FCS 05 in der Regionalliga Bayern auf Unterhaching, Burghausen, Bayreuth oder Bayern Hof.

 

Vier Platzwarte mit Laubbläsern im Stadion.
(Foto: Tom Kleine)

In diesem Ground spielten die „Schnüdel“, wie die Kicker der Unterfranken im Volksmund genannt werden, in der in der Saison 2001/02 sogar um Zweitligapunkte. Damals wie heute in einem Stadion, dessen Namensgeber ein überzeugter Nazi war. Und noch immer wirken der Schriftzug „Willy-Sachs-Stadion“ und der monumentale Adler mit der Weltkugel unter den Krallen auf dem meterhohen Sockel vor den Eingangstoren der Schweinfurter Sportstätte beklemmend auf den Besucher.

 

Maccabi in Schweinfurt

Das Cover des Buches Davidstern und Lederball.

Geweckt wurde mein Interesse an dieser Geschichte bereits vor einigen Jahren durch die Anfang der 2000er-Jahre veröffentlichten Beiträge des Journalisten Werner Skrentny in den Büchern „Das große Buch der deutschen Fußballstadien“ sowie „Davidstern und Lederball - Die Geschichte der Juden im deutschen und internationalen Fußball“, in denen er die „Gegenwart des Verdrängten“ beschreibt.

 

Diese „Gegenwart des Verdrängten“ griff das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ am 16. Juli 2001 auf. Aufhänger war das Freundschaftsspiel des israelischen Clubs Maccabi Haifa beim damaligen Zweitliga-Aufsteiger 1. FC Schweinfurt 05 am 20. Juli 2001 (3:1 für Haifa). Unter der Überschrift „Nazi als Namensgeber“ berichtete „Der Spiegel“ über den Stadionstifter Willy Sachs und seine Verstrickungen mit der obersten NS-Führung. Ein Spiel in diesem namensbelasteten Stadion war den Gästen aus Israel nicht zuzumuten. Und so fand das Spiel auf einem Nebenplatz statt.

 

Schweinfurt ist Sachs

(Foto: ansichtkarten-center.de)
(Foto: ansichtkarten-center.de)

Der Name Sachs ist untrennbar mit der Industriestadt Schweinfurt verbunden, denn hier hat das weltbekannte Unternehmen ihren Ursprung. Sachs wurde 1895 in Schweinfurt als Hersteller von Kugellager und Fahrradnaben gegründet, als eigenständiges Unternehmen lautete der Firmenname zuletzt Fichtel & Sachs AG. 1997 wurde der Automobilzulieferer von Mannesmann übernommen und in Mannesmann Sachs AG umfirmiert. Ab 2001 gehörte Sachs als ZF Sachs AG zu ZF Friedrichshafen. 2011 wurde ZF Sachs rechtlich mit der ZF Friedrichshafen AG verschmolzen. Der Hauptsitz für Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Produkten der Marke Sachs ist in Schweinfurt.

 

Sachs ist Schweinfurt und Schweinfurt ist Sachs. Das wird einem schon optisch schnell bewusst, wenn man wie ich zum ersten Mal durch diese Stadt mit ihren knapp 52.000 Einwohnern fährt. Noch heute stehen viele Schweinfurter hier in Lohn und Arbeit. Das ist Fakt.

 

Willy Sachs, Unternehmer, „königlich-schwedischer Konsul“ und Lebemann

Willy Sachs
Willy Sachs (Archivfoto: Stadt Schweinfurt/Internet)

Fakt ist aber auch die braune Gesinnung des ehemaligen Firmen-Generaldirektors Willy Sachs. Der im Jahr 1896 in Schweinfurt geborene Willy Sachs war der einzige Sohn des Schweinfurter Industriellen Ernst Sachs, Erfinder des Fahrrad-Freilaufs, der Rücktrittbremse und Mitbegründer des Unternehmens „Fichtel & Sachs“. Nach dem Tod des Vaters wurde Willy Sachs ab 1932 Alleininhaber des Unternehmens und nebenbei Träger des Titels „königlich-schwedischer Konsul“, der auf den Verkauf der Wälzlagerfertigung des Unternehmens an die Svenska Kullagerfabriken (SKF) zurückzuführen war.

 

Willy Sachs stand im Ruf eines Lebemanns und Playboys, der die Jagd liebte und den Frauen und dem Alkohol zusprach. Dieser extrovertierte Lebensstil sollte sich später auf seinen Sohn Gunter Sachs (1932 – 2011) übertragen.

 

SS-Karriere und Freund von Himmler und Göring

Mehrere Personen in SS-Uniform.
Sachs neben Himmler bei der Einweihung des Stadions. (Archivfoto: Stadtarchiv Schweinfurt/Internet)

Schon sehr früh nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Willy Sachs nicht nur NSDAP-Mitglied Nr. 2.547.272, sondern auch Mitglied Nr. 87.064 der SS. Kein Geringerer als SS-Chef und Judenverfolger Heinrich Himmler machte sich für den Eintritt von Willy Sachs in die SS stark. Noch 1933 wurde Sachs zum Untersturmführer, 1934 zum Obersturmführer und 1935 zum Hauptsturmführer ernannt. 1943 wird Sachs SS-Obersturmbannführer beim Stab der Reichsführer.

 

Der Träger von „Totenkopfring“ und „Ehrendegen“ der SS war auch als Reichsjagdrat aktiv. Kein Wunder, denn neben Himmler gehörte auch Hermann Göring zum engeren Freundeskreis von Willy Sachs. Auf zahlreichen gemeinsamen Jagdausflügen wurde die Männerfreundschaft zwischen Sachs und Göring gestärkt. Ab dem Jahr 1941 zierte der Titel „Wehrwirtschaftsführer“ den Kopfbogen des rüstungswichtigen Betriebes von Willy Sachs.

Zwei Männer in SS-Uniform
Konsul Willy Sachs mit General Franz Ritter von Epp bei der Eröffnung des Willy-Sachs-Stadions 1936. (Archivfoto: Stadtarchiv Schweinfurt/Internet)

Fünf Jahre zuvor fand die Einweihung des Stadions, welches überwiegend von Willy Sachs finanziert wurde, statt. Wenige Tage vor Eröffnung der Olympischen Spiele in Berlin wimmelte es am 23. Juli 1936 in Schweinfurt nur so von NS-Prominenz, die von Heinrich Himmler angeführt wurde. Hermann Göring war am Vortag zu Besuch. Und Adolf Hitler schickte ein Glückwunschtelegramm zur Eröffnung. Willy Sachs selbst hielt die Rede zur Einweihung des seinerzeit sehr modernen und großzügigen Stadions in SS-Uniform.

Einstufung als „Mitläufer“

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Willy Sachs festgenommen und später von der Spruchkammer Schweinfurt-Land im Entnazifizierungsverfahren lediglich als Mitläufer eingestuft. Auch als die US-Behörden Widerspruch einlegten, blieb es bei dieser Einstufung.

 

Buchautor Wilfried Rott bezeichnete dieses Verfahren als „Weißwäsche“ und schreibt: „Jüdische Bekannte für sich nachträglich zu instrumentalisieren und die kalte Arisierung des Geschäftspartners Max Goldschmidt einfach zu übergehen, zählt zu den dunkelsten Momenten dieser Entnazifizierung, die sonst so beschönigend und verharmlosend ablief, wie die meisten vergleichbaren Fälle“.

Cover des Buches Sachs Mobilität und Modernisierung.

Die Geschichte des Unternehmens Sachs bis zur Integration in die ZF Friedrichshafen AG im Jahr 2011 war ebenfalls Bestandteil des im Jahr 2011 erschienenen Buches „Sachs - Mobilität und Motorisierung. Eine Unternehmensgeschichte“ von Andreas Dornheim.

 

Basierend auf den recherchierten Fakten des Buches kam auch die Forschungsstelle von ZF zu der Einschätzung, dass Willy Sachs alles andere als ein Mitläufer der Nazis war:

Selbstmord im Jahr 1958

Sachs konnte also wie so viele Nazi-Unternehmer vor und nach ihm eine zweite Karriere in der Bundesrepublik Deutschland starten. Mit dem Zwei-Takt-Motor „Sachs 50“ für Mopeds erreichte er Umsatzrekorde. In Anerkennung seiner sozialen Verantwortung als Unternehmer (u.a. Wiedererrichtung der Ernst-Sachs-Hilfe als betriebliche Altersversorgung) erhielt er 1957 aus den Händen des CSU-Ministerpräsidenten das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Sein Leben endete dramatisch. Am 19. November 1958 erschoss sich der Ehrenbürger von Schweinfurt in seinem Jagdhaus bei Oberaudorf.

Stadionname erlangte zunächst kaum Aufsehen

Michel Friedman. (Foto: welt.de)
Michel Friedman. (Foto: welt.de)

Bis zum Jahrtausendwechsel erlangte das Thema „Stadionname“ in Schweinfurt nur lokale Bekanntheit. Immer wieder (und bis heute) setzten sich einzelne Bürger, die „Initiative gegen das Vergessen“ oder Vertreter des DGB für eine Namensänderung ein. Eine große überregionale Aufmerksamkeit fanden diese Aktionen jedoch nicht. Bis es zu den Buchveröffentlichungen von Werner Skrentny und dem Spiel von Maccabi Haifa in Schweinfurt kam.

 

Den Veröffentlichungen von Skrentny und des Spiegel folgten Beiträge in der Süddeutschen Zeitung, der Berliner Zeitung, der „Welt“ und anderen in- und ausländischen Medien.

 

Michel Friedman, Anfang der 2000er Jahre Vizepräsident des Zentralrats der Juden, äußerte sich seinerzeit: „Ein Deutscher, der den Nationalsozialismus aktiv unterstützt hat, bleibt auch sechzig Jahre danach ein Nazi und ist untragbar als Namensgeber für ein öffentliches Gelände. Einem Verbrecher kann man keine Ehre antun.“

Dieser Aufschrei im deutschen Nachrichtenwald ist nun bereits wieder 16 Jahre her. Vor gut einem Jahr, im Februar 2016, griff das lokale Nachrichtenportal „SW-N.TV Schweinfurter Nachrichten“ unter der Überschrift „Ich schäme mich für Schweinfurt“ dieses heiße Thema noch einmal auf. Doch erneut prallte die Kritik einer Medienredaktion an den Verantwortlichen der Stadt Schweinfurt und des Vereins sowie vor allem an der breiten Mehrheit der Schweinfurter Bevölkerung ab wie am Stein des Denkmals vor dem Stadion. Schlimmer noch: die Redakteure von SW-N.TV sahen sich üblen Reaktionen ausgesetzt wie die „Leserbriefe“ am Ende des Berichtes zeigen:

 

https://www.sw-n-tv.de/2016/02/04/ich-schäme-mich-für-schweinfurt/

 

"Der Verein hat keine Handhabe!"

Das Logo des 1. FC Schweinfurt 05.

Auf eine Anfrage meinerseits stellte sich zumindest ein Angestellter des Vereins meinen Fragen am Telefon. Seine Einschätzung: "Das Stadion hat nie dem Verein gehört, sondern immer der Stadt Schweinfurt. Wir haben da keine Handhabe und können das Stadion somit auch nicht vermarkten oder umbenennen. Das Namensrecht liegt alleine bei der Stadt. Wir als Verein sind dankbar, dass das Stadion da ist."

 

Angesprochen auf die Meinung der Fans ergänzte er noch: "Die Fanszene in Schweinfurt ist gemischt wie anderswo auch. Ich würde unsere Fans eher als liberal einstufen."

 

Auf der Vereinshomepage des 1. FC Schweinfurt 05 heißt es zudem wörtlich:

 

„Das Willy Sachs Stadion in Schweinfurt wurde im Jahre 1936 seiner Bestimmung übergeben. Es dient dem Stifterwillen des Industriellen Willy Sachs, dem damaligen Eigentümer der Fa. Fichtel & Sachs, entsprechend vorrangig dem Verein des 1.FC Schweinfurt 1905, seinem Verein. Das Stadion wurde am 23. Juli 1936 unter großer Beteilgung, nationalsozialistischer Propaganda und der Anwesenheit von exponierten Nationalsozialisten wie Himmler und Göring eingeweiht. Diese große Schenkung von Willy Sachs an die Stadt wurde von den Nazionalsozialisten somit auch zu Propaganda-Zwecken ausgenutzt. Schweinfurt und als Hauptnutzer der FC 05 sind jedoch heute froh, dieses Stadion zu besitzen. Denn die Voraussetzungen für professionellen Fußball sind bestens erfüllt. Keine der Nachbarstädte kann heute ein vergleichbares Stadion aufweisen und ein jeder Trainer ist voll des Lobes für diese Einrichtung.“

 

Natürlich hat mein Gesprächspartner im Kern Recht. Lediglich die Stadt Schweinfurt als Eigentümerin und damit der Schweinfurter Stadtrat könnte über die Änderung des Stadionnamens beschließen. Aber meine persönliche Meinung ist, dass es sich der Verein hier etwas zu einfach macht. Schweinfurt 05 als Hauptnutzer des Stadions und Aushängeschild der Sportstadt Schweinfurt könnte sehr wohl Druck auf Rat und Verwaltung ausüben und auf eine Namensänderung pochen.

 

Gerne hätte ich auch eine Meinung der Stadt Schweinfurt veröffentlicht. Dies wäre im Hinblick auf die zuvor getätigte Aussage des Vereinsvertreters sowie der Tatsache, dass es ja schließlich die Stadt Schweinfurt war, die das Stadiongelände im Jahr 1936 zur Verfügung stellte, obwohl Willy Sachs gemeinhin als der "Stadionvater" gesehen wird, sicher interessant gewesen. Doch leider blieben meine beiden E-Mails an den Bürgerservice und die Pressestelle der Stadt Schweinfurt bis heute unbeantwortet. 

 

Beispiel Würzburg

Dass es anders geht, zeigt allerdings Würzburg. Dort wurde die ehemalige „Carl-Diem-Halle“, benannt nach dem gleichnamigen NS-Sportfunktionär Carl Diem, in „S.Oliver-Arena“ umbenannt. Diems Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus ist wie die von Willy Sachs bis heute umstritten.

 

Sport und Konzerte

Konzert im Willy-Sachs-Stadion.
(Foto: youtube.com)

Genutzt wird das Schweinfurter Stadion heute nicht nur für Sportveranstaltungen. Hier gaben auch schon Herbert Grönemeyer, Die Toten Hosen und die Scorpions Konzerte.

 

„Lasst uns doch einfach alle in Ruhe!“

Die Innenstadt von Schweinfurt
(Foto: Bayerischer Rundfunk)

Bei meinem Besuch in Schweinfurt nutzte ich die Gelegenheiten zu Gesprächen mit Bürgern der Stadt. Ich habe einen Gaststättenbetreiber („Sachs hat das Stadion bezahlt, also darf es auch so heißen.“), einen Kioskbesitzer mit Migrationshintergrund („Ich habe kein Problem mit dem Namen.“) und einen Tankstellen-Kassierer („Da war mal was, aber das interessiert mich nicht. Man sollte endlich einen Schlussstrich ziehen.“) nach ihrer Meinung zum „Willy-Sachs-Stadion“ gefragt. Das Ergebnis ist frustrierend. Keine Spur von Einsicht, kein Gefühl für die Vergangenheit.

 

Etwas brenzlig wurde die Situation, als mich ein Besucher der dem Stadion angrenzenden Restaurants beim Fotografieren des „Denkmals“ beobachtete und mich mit den Worten „Schreiben Sie auch wieder so einen Sch…-Bericht? Lasst uns doch einfach alle in Ruhe.“ bedachte.

 

Die Dame an der Hotel-Rezeption, ich schätze sie auf Mitte 20, brachte die Einstellung der wohl meisten Schweinfurter auf den Punkt: „Unser Stadion heißt so. Und wird auch immer so heißen.“

 

Schade, Schweinfurt.

 

(Tom Kleine)

 

Stadion-Impressionen

Quellen

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Freunde und Helfer

Ein Polizist und ein Streifenwagen
(Foto: Heiko Barth, Fotolia)

Als langjähriger Geocacher überrascht mich bei der Dosensuche so schnell nichts mehr. Heute war das anders. Der Grund: Die Polizei in Bamberg.

 

Die hat dort eine Polizeischule. Und irgendein cachender Spaßvogel hat genau dort einen Cache in Form eines Plastikröhrchens ("Petling") in einer Mauerritze versteckt.  Es kam, wie es kommen musste. Mit dem Rücken zu besagter Polizeischule stehend trug ich mich ins Logbuch ein, verschraubte den Kunststoffbehälter und fuckelte diesen wieder ins Mauerwerk. Ich wiederhole: Polizeischule, verdächtige Person, Plastikröhrchen, Mauer....richtig geraten: "Können wir Ihnen helfen?" ertönte es hinter mir.

 

Dem Herzinfarkt nahe drehte ich mich um und starrte in gleich drei Augenpaare. In Uniform. Typ "Keine Gefangenen".

 

Mein Gestammel "Ähem...na ja...ich....is Geocaching...." machte keinen Eindruck auf die skeptischen Polizeinachwuchskräfte, die ihren Vorgesetzten herbeiholten.

 

Der starrte mich an, bevor er loslegte: "Ein Geocache? An unserer Polizeischule? Den hab ich ja noch gar nicht. Trag mich bitte mit ins Logbuch ein."

 

Gesagt, getan. Zurück blieben zwei Cacher mit einem Punkt mehr. Und drei Augenpaare. In Uniform. Kopfschüttelnd.

 

Ich liebe dieses Hobby.

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Der Davidstern in der Bundesliga

Fußball-Collage Israel
(Foto: Tom Kleine)

(13.08.2016) Wenn die Fußball-Bundesliga am 26. August 2016 in die Saison 2016/2017 startet, dann geht der im Kader des FC Ingolstadt stehende Israeli Almog Cohen in seine fünfte Spielzeit in der höchsten deutschen Spielklasse und in seine insgesamt siebte Saison im deutschen Profifußball. Mit Taleb Tawatha steht ein weiterer Israeli im Kader von Eintracht Frankfurt. Der 24-jährige Neuzugang von Maccabi Haifa wird nach hoffentlich bald auskurierter Verletzung mit seinem dann ersten Spiel damit der achte Israeli in der Geschichte der Fußball-Bundesliga werden.

 

Erst sieben Profifußballer aus dem „heiligen Land“ haben also bisher den Sprung in die Bundesliga geschafft.

Shmuel Rosenthal: „Türöffner“ und ein „Akt der Völkerverständigung“

Günter Netzer und Shmuel Rosenthal
Günter Netzer und Shmuel Rosenthal. (Fotoquelle: www.bpb.de)

Den Anfang machte im Sommer 1972 Shmuel Rosenthal bei Borussia Mönchengladbach. Dass der damals 25-jährige Abwehrspieler beim aufstrebenden Verein vom Niederrhein landete, war kein Zufall. So war die Elf von Trainerlegende Hennes Weisweiler bereits zwei Jahre zuvor zu Gast in Israel und damit nach dem FC Bayern Hof der erst zweite deutsche Club, der eine Reise ins „heilige Land“ unternahm. Keine 25 Jahre nach Kriegsende und der Shoah war dies keine Selbstverständlichkeit. Erst seit 1965 unterhielten Israel und Deutschland diplomatische Beziehungen. Israelische Sportler mussten sich damals Wettkämpfe gegen deutsche Sportler genehmigen lassen.

 

Für Borussia Mönchengladbach sollten bis ins Jahr 2008 zahlreiche weitere Reisen und knapp 30 Spiele nach und in Israel folgen. Einer der Gründe für die enge Beziehung der Borussia zu Israel war die Freundschaft von Hennes Weisweiler und Borussias Manager Helmut Grashoff zu Emanuel Schaffer. Der im Ruhrgebiet aufgewachsene frühere israelische Nationaltrainer, dessen Eltern 1940 beim Massaker in Stanisławów an der polnisch-ukrainischen Grenze von den Nazis ermordert wurden, erwarb Ende der 60er-Jahre unter Weisweiler das Trainerdiplom des DFB in Köln. Aus der hieraus entstandenen Freundschaft zwischen Weisweiler, Grashoff und Schaffer erwuchs der Wechsel von Shmuel Rosenthal, der bei den olympischen Sommerspielen 1968 und der Fußball-Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko auf sich aufmerksam machen konnte. Shmuel Rosenthal sollte mit seinem Wechsel nach Deutschland sogar der erste Fußballer Israels werden, der einen Profivertrag in Europa unterschrieb.

 

„Ich habe die Türen für alle israelischen Fußballer geöffnet. Damals erlaubte es der israelische Verband nicht, ins Ausland zu wechseln. Man galt als Verräter und wurde ein Jahr gesperrt", sagt Rosenthal heute. Und sein Vater, dessen Familie ebenfalls von den Nazis ermordert wurde, fragte: „Warum ausgerechnet nach Deutschland?“ Doch Rosenthal wollte genau dieses Zeichen setzen.

Libero und Reiseführer

Dies unterstreicht auch die Aussage des früheren Torwarts von Borussia Mönchengladbach, Wolfgang Kleff: „Dass man Rosenthal geholt hat, lag nicht nur an seinen Fähigkeiten. Es war auch ein Akt der Völkervertändigung.“ Im Trainingslager der Borussia in Israel war Rosenthal der Reiseführer.

 

Beinahe wäre auch Israels Fußball-Nationalheld Mordechai Spiegler, Schütze des ersten und bisher einzigen WM-Endrundentores der israelischen Nationalmannschaft „Nivchéret“ (1:1 gegen Schweden 1970, „Es waren 25 Meter, ein starker Rückenwind, und das Tor muss in Richtung Jerusalem gestanden haben“, so der Torschütze später), nach Mönchengladbach gekommen. Weil dort aber schon zwei Ausländer im Kader standen, wurde daraus nichts.

 

Shmuel Rosenthal, der Mann mit dem markanten Seehundschnauzer und dem Blutschwamm im Gesicht, konnte sich in der Bundesliga nicht durchsetzen. Als die Saison 1972/73 begann, war Rosenthal im Team, sein Debüt feierte er am 16. September 1972 beim 4:3 gegen Duisburg. In seinem dritten Spiel schaffte er beim 3:1 gegen Hannover ein Tor. Neun Spiele am Stück machte der technisch versierte Israeli mit.

 

„Dann wurde das Wetter schlechter und ich bekam Probleme“, gestand Rosenthal in einem Interview mit der Rheinischen Post vor einigen Jahren. Nur vier weitere Liga-Einsätze in der berühmten „Fohlenelf“ an der Seite von Netzer, Bohnhof, Jensen und Simonsen sollten folgen. Trainer Hennes Weisweiler waren Rosenthals Spielweise und seine eher lockere Interpretation der damals noch fest verankerten Libero-Rolle als Abwehrchef zu sorglos. Am 25. November 1972 wurde Rosenthal beim 0:3 in Frankfurt zum letzten Mal eingewechselt.

 

Als er nach nur 13 Spielen und einem Tor in der Bundesliga und immerhin einigen UEFA-Cup-Einsätzen für Mönchengladbach nach Israel zurückgekehrte, erzählte er, einige Teamkollegen wie Berti Vogts oder Günter Netzer hätten sich nach dem Attentat bei den Olympischen Spielen in München 1972 aus Angst vor Terrorakten geweigert, mit ihm im selben Flugzeug, Zug oder Bus zu Auswärtsspielen zu reisen. Borussen-Manager Helmut Grashoff trat diesen Anschuldigungen entgegen: „Über dieses Thema wurde bei uns nie gesprochen.“

„Piza David“ war in Köln nicht gefragt

David Pizanti im Dress des 1. FC Köln
David Pizanti im Dress des 1. FC Köln. (Fotoquelle: www.wz.de)

Danach sollten zwölf Jahre ins Land gehen, bevor ein Bundesligist wieder einen Israeli verpflichtete. Der 1. FC Köln lotste im Jahr 1985 den damals 23-jährigen David Pizanti von Maccabi Netanja an den Rhein. Doch auch der Abwehrspieler, der in seiner Heimat als einer der größten linken Verteidiger in der Geschichte des israelischen Fußballs bezeichnet wird, konnte sich in Deutschland unter den Kölner Trainern Hannes Löhr, Georg Keßler und Christoph Daum nicht durchsetzen. Immerhin stand er 1986 im Finale des Rückspiels um den UEFA-Cup. Nach einer 1:5-Niederlage bei Real Madrid reichte es im Rückspiel im Berliner Olympiastadion „nur“ zu einem 2:0 für die Geißböcke. In diesem Spiel wurde Pizanti nach einer Stunde eingewechselt. Noch während der Saion 1986/87 und nach gerade einmal 19 Bundesligaspielen (kein Tor) wechselte Pizanti zurück nach Israel zu Hapoel Tel Aviv.

 

„Technisch war er sehr beschlagen, aber körperlich fehlte es. Der Sprung von der israelischen Liga nach Deutschland war sehr groß“, sagte Karl-Heinz Geils, der sich mit ihm bei Reisen ein Zimmer teilte. Beide waren Abwehrspieler. Der Unterschied: Der knorrige Geils spielte meistens, Pizanti guckte sich das Geschehen oft von draußen an. „Gegen die Konkurrenz bei uns kam er nicht an: Paul Steiner, Mathias Hönerbach, Dieter Prestin, später Morten Olsen", so Geils.

 

In den Jahren 1987 bis 1989 folgten für Pizanti immerhin noch einige Einsätze bei den Queens Park Rangers unter anderem in der First Divison (heute Premier League), bevor er seine aktive Karrier in Netanja ausklingen ließ. Als Chefscout seines Heimatvereins Maccabi Netanja ist „Piza“ heute noch im Fußballgeschäft tätig. Die Trainerausbildung hat er unter anderem in Deutschland absolviert.

Israelischer „Doppelpack“ am Niederrhein

Gal Alberman (l.) und Roberto Colautti
Gal Alberman (l.) und Roberto Colautti. (Fotoquelle: www.rp-online.de)

Wieder sollten einige Jahre ins Land ziehen, bevor sich ein Israeli das Dress eines Bundesligisten überziehen sollte. Und wieder war es die Mönchengladbacher Borussia. In diesem Fall war es sogar der „israelische Doppelpack“ Roberto Colautti und Gal Alberman, der in der Saison 2008/09 im Kader des Bundesliga-Aufsteigers vom Niederrhein stand. Während Mittelfeldspieler Gal Alberman ein „echter“ Neuzugang war, ging Angreifer Roberto Colautti bereits in seine zweite Saison bei den Grün-Weiß-Schwarzen. Wenige Wochen zuvor durften Colautti und seine Mitspieler die Rückkehr in die Fußball-Bundesliga bejubeln.

 

Roberto Colautti wurde im Jahr 1982 in Córdoba, Argentinien, geboren. 2001 kam er nach Europa. 2006 heiratet Colautti eine Israelin und nahm die Staatsbürgerschaft Israels an. Dies ermöglichte ihm auch, für die Nationalmannschaft Israels zu spielen. Dies wäre ihm in Argentinien kaum möglich gewesen.

Alberman mit viel Verletzungspech

Gal Alberman im Trikot von Borussia Mönchengladbach.
Der Ex-Gladbacher Gal Alberman kickt heute für Maccabi Tel Aviv. (Fotoquelle: www.spox.com)

Gal Alberman ist Jahrgang 1983. Nach dem Gewinn der Meisterschaft und des Pokals mit Beitar Jerusalem und der Auszeichnung als israelischer Fußballer des Jahres im Jahr 2008 folgte Alberman seinem nun Landsmann Colautti nach Deutschland. Bei der Borussia konnte sich der verletzungsanfällige israelische Nationalspieler nicht durchsetzen. Dabei hielt nicht nur Gladbachs Trainer Jos Luhukay zu Saisonbeginn große Sücke auf Alberman: „Er ist im Mittelfeld ein Schlüsselspieler und wird uns auf jeden Fall verstärken.“

 

Die Realität sah dann aber leider ganz anders aus. Zwar stand Alberman offiziell bis zum Jahr 2010 im Kader der Borussia, doch unter dem Strich stehen nur 16 Spiele und kein Treffer in der höchsten deutschen Spielklasse sowie ein Einsatz im DFB-Pokal. Alberman kickt derzeit mit seinen heute 33 Jahren als Spielmacher beim israelischen Spitzenklub Maccabi Tel Aviv, mit denen er in der vergangenen Saison 2015/16 in der Champions League unterwegs war.

Sechs Tore für den "Gaucho-Knipser"

Roberto Colautti im Trikot von Borussia Mönchengladbach
Roberto Colautti, der "Gaucho-Knisper". (Fotoquelle: www.fr-online.de)

Nicht viel, aber immerhin etwas besser, liest sich die Bilanz von Roberto Colautti im Dress der Borussia. In 47 Bundesligaspielen zwischen 2008 und 2010 gelangen dem „Gaucho-Knipser“, wie er von den Borussia-Fans genannt wurde, sechs Treffer, darunter am 10. Mai 2009 ein Tor in der Partie gegen Schalke 04. Der Treffer zum 1:0 in der 90. Minute bedeutete für Mönchengladbach drei wichtige Punkte im Kampf gegen den Abstieg. Hinzu kommen drei Tore in drei DFB-Pokalspielen und drei Tore in zehn Spielen in der Aufstiegssaison in der 2. Bundesliga.

 

Nach weiteren Stationen bei Maccabi Tel Aviv, Famagusta und Larnaka beendete er 2015 seine Karriere.

Vermouth und Shechter auf dem „Betze“

In der Saison 2011/12 feierten zwei weitere Israelis ihr Debüt in der Bundesliga. Und wieder als „Doppelpack“. Diesmal war es der 1. FC Kaiserslautern, der mit Gil Vermouth und Itay Shechter zwei israelische Nationalspieler unter Vertrag nahm. Sowohl der offensive Mittelfeldspieler Vermouth als auch Mittelstürmer Shechter unterschrieben gleich für vier Jahre. Doch beide Spieler verabschiedeten sich deutlich früher vom „Betze“.

Gil Vermouth im Trikot des 1. FC Kaiserslautern
(Fotoquelle: www.kicker.de)

Gil Vermouth (Foto rechts) wurde bereits im Januar 2012 und nach gerade einmal zwei Bundesligaspielen ohne Tor an den holländischen Club De Graafschap Doetinchem ausgeliehen. 2012 kehrte er zu Hapoel Tel Aviv zurück. In der kommenden Saison 2016/17 steht der 31-jährige im Kader von Maccabi Haifa.

Itay Shechter im Trikot des 1. FC Kaiserslautern

Itay Shechter (Foto links) brachte es immerhin auf 23 Einsätze in der Bundesliga, in denen ihm drei Treffer gelangen. Dazu kommt noch ein Tor in drei DFB-Pokalspielen für die „Roten Teufel“. Bereis nach einer Spielzeit in Kaiserslautern wechselte er zu Swansea City. Nach weiteren Stationen bei Hapoel Tel Aviv, Nantes in Frankreich und Maccabi Haifa stürmt der heute 29-jährige für Beitar Jerusalem.

Die "Schande von Kaiserslauern"

Itay Schechter stand auch im Mittelpunkt eines sehr traurigen Kapitels der israelischen Fußballer in Deutschland. Nach der 0:4-Niederlage des 1. FC Kaiserslautern bei Mainz 05 im Februar 2012 wurde Shechter beim Training am Folgetag Ziel antisemitischer Beleidigungen von fünf bis zehn Personen, die bei diesem Training mit rechtsradikalen Parolen aus der Reihe fielen.

 

Selbstverständlich distanzierte sich die FCK-Clubführung von diesem ekelhaften Zwischenfall und leitete Ermittlungen ein. Aber ein kalter Schauer des Entsetzens ging nicht nur durch Fußball-Deutschland.

 

Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland verurteilte den Vorfall. „Gerade als begeisterter Fußballfan bin ich total schockiert“, sagte Präsident Dieter Graumann. „Wenn ausgerechnet der Sport missbraucht wird, um Rassismus und Judenhass zu transportieren, ist das eine Schande und ein Skandal für den deutschen Fußball.“ Wer Antisemitismus und Hitlergruß ausleben wolle, gehöre ins Gefängnis und auf keinen Fußballplatz. Der DFB solle sich schneller und lauter äußern, forderte Graumann.

Almog Cohen, der „Gattuso von Israel“

Almog Cohen im Trikot des FC Ingolstadt
(Fotoquelle: www.fcingolstadt.de)

Von diesem gewaltigen Problem blieb Almog Cohen bislang zum Glück verschont. Doch auch der 28-jährige aktuelle Profi des FC Ingolstadt stand ebenfalls schon einmal im Mittelpunkt eines Skandals, der noch gar nicht so lange zurückliegt. Als Fans des FC Ingolstadt beim Zweitligaspiel bei Union Berlin am 26. April 2015 zur Unterstützung Cohens eine israelische Fahne in der „Alten Försterei“ in Berlin aufhingen, ordnete die Polizei das Entfernen der Fahne an. Wegen der großen palästinensischen Gemeinde in Berlin sei keine politische Aussage im Stadion erwünscht, so die Aussage der Polizeiverantwortlichen.

 

Almog Cohen, der das Geschehen von der Bank aus bemerkte, berichtete: Ich sehe, wie unsere Fans die israelische Fahne herunternehmen. Sie sagen mir, dass sie das auf Anweisung eines Ordners getan haben. Mir hat der Order dann gesagt, dass keine politischen Symbole erlaubt sind. Da habe ich ihn gefragt, ob auch Fahnen anderer Länder verboten sind. Da sagte er mir: 'No, only Jewish flag.' Das hat mich schockiert.“

 

Der Berliner Polizeipräsident entschuldigte sich später für diesen Eklat:

Tweet der Polizei Berlin

Solchen Vorkommnissen setzt Almog Cohen Leistung entgegen. Der 1988 in Be'er Scheva geborene Israeli mit marokanischen Wurzeln ist längst in der Bundesliga angekommen und zum Stammspieler beim FC Ingolstadt gereift. Das war Cohen auch schon beim 1. FC Nürnberg, wo er nach seiner fußballerischen Ausbildung bei Maccbi Netanja zur Saison 2010/11 seinen ersten Profivertrag im Ausland unterschrieb.

Ausgerechnet Nürnberg...

Und dann ausgerechnet in Nürnberg, hieß es aus Israel. Denn das Gelände der „Clubberer“ ist nicht weit entfernt vom Reichsparteitagsgelände und von der Zeppelintribüne, von der aus Adolf Hitler seine Hetzreden gegen die Juden hielt. Und in Nürnberg wurde mit den furchtbaren „Rassengesetzen“ im Jahr 1935 die menschenverachtende antisemitische Ideologie der Nationalsozialisten verankert.

 

„Ich weiß, welche Rolle diese Stadt gespielt hat, aber das ist sehr lange her. Ich bin nach Nürnberg gekommen, um Fußball zu spielen“, so Almog Cohen. Und das tat er beim „Club“ in der Tat sehr erfolgreich.

 

In Nürnberg hatte Cohen keine Probleme, seinen Glauben auszuleben, abgesehen von Kleinigkeiten. So musste sich der Teamkoch erst darauf einstellen, auch koscheres Essen anzubieten. Schwieriger war es während des höchsten jüdischen Feiertages, während Jom Kippur. Cohen durfte nicht essen, nicht trainieren, nicht arbeiten. So verlor er zunächst seinen Stammplatz, kämpfte sich aber wieder zurück.

Almog Cohen im Dress der israelischen Fußball-Nationalmannschaft
Almog Cohen spielt auch für die „Nivchéret". (Fotoquelle: www.kicker.de)

Im April 2011 verlängerte Cohen seinen Vertrag bis zum 30. Juni 2014. Anfang Februar 2013 wurde bekannt, dass Cohen auf eigenen Wunsch hin bis zum Sommer 2013 an Hapoel Tel Aviv verliehen wird. Der Leihvertrag dauerte nur fünf Monate an, da sich Cohen für den Zweitligisten FC Ingolstadt entschied, welcher ihn mit einem Dreijahresvertrag ausstattete.

 

Mit den Bayern stieg Cohen nach zwei Spielzeiten in der 2. Liga im Sommer 2015 in die Bundesliga auf. In der vergangenen Saison 2015/16 kam der aufgrund seiner Spielweise und seines Aussehens auch „Gattuso von Israel“ genannte Almog Cohen zu 20 weiteren Bundesligaspielen.

 

Mit bis heute insgesamt 78 Spielen in der 1. Bundesliga und 27 weiteren in der 2. Liga in sechs Spielzeiten mit Nürnberg und Ingolstadt kann Almog Cohen attestiert werden, der erste Israeli zu sein, der sich dauerhaft in Fußball-Deutschland durchsetzen konnte.

Die Nummer Acht ist auf dem Sprung

Taleb Tawatha im Dress von Eintracht Frankfurt
(Fotoquelle: www.eintracht.de)

Der vermutlich achte Israeli in der Geschichte der Fußball-Bundesliga befindet sich derzeit noch in der Warteschleife. Vor einigen Wochen nahm Eintracht Frankfurt Taleb Tawatha (Foto links), israelischer Linksverteidiger mit sudanesischen Wurzeln, unter Vertrag. Der 24-jährige kam von Maccabi Haifa an den Main, wo er einen Dreijahresvertrag unterschrieb.

 

Leider verletzte sich der israelische Nationalspieler in der Vorbereitung auf die neue Saison, so dass sich die deutsch-israelischen Fußballfreunde auf den Einsatz des „achten Mannes“ noch etwas gedulden müssen.

Omer Damari: New York statt Leipzig

Beinahe wäre es in der anstehenden Saison 2016/17 zu einem Novum gekommen. Denn mit Omer Damari stand ein weiterer und damit zeitgleich dritter Israeli im Kader eines Bundesligisten. Doch Aufsteiger RB Leipzig verlieh Omer Damari kurz vor Saisonstart an Red Bull New York. Der 27-jährige Mittelstürmer soll bis zum Jahresende bei den New York Red Bulls spielen. Nach zehn Liga- und einem Pokalspiel (kein Tor) für die Leipziger in der Zweitliga-Saison 2014/15 und 16 Pflichtspieleinsätzen bei Red Bull Salzburg in der Vorsaison zog der Israeli somit zum dritten Klub des umstrittenen „Brause“-Projektes.

Gelebte Normalität

Ein Fußball mit Israel-Aufklebern
(Foto: Tom Kleine)

Almog Cohen hat den Sprung in die Bundesliga geschafft und sich durchgesetzt. Dies gibt allen Freunden des israelischen Fußballs die Hoffnung, dass es ihm in Zukunft weitere Spieler aus Israel gleichtun werden, um auch auf diesem Gebiet für gelebte Normalität im deutsch-israelischen Verhältnis zu sorgen.

 

 

 

 

 

 

 

 

(Tom Kleine, August 2016)

Video

"90 Minuten Deutschland - Israel"

In der im Mai 2015 veröffentlichten Dokumentation "90 Minuten Deutschland - Israel: Fußball zwischen Berlin und Tel Aviv" gehen die Autoren der DW Akademie Thomas Lemmer und Matthias Frickel der Frage nach, warum gerade der Fußball immer wieder Vorreiter für die Annäherung beider Länder ist. Zu Wort kommen auch Almog Cohen und Shmuel Rosenthal.

Quellen

Die Profile der Spieler auf transfermarkt.de

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29.05.16: Arbeitslatzbeschreibung

Latzhose an der Wäscheleine

Ich habe es endlich getan. Manche tun es in jungen Jahren, manche etwas später mit Eintritt ins Berufsleben. Manche werden damit geboren. Ich habe 46 Jahre dafür gebraucht. Ich hab mir eine Arbeitshose gekauft.

 

Letzte Woche. Beim Discounter, günstig und trotzdem schick. So mit richtigen Taschen für Werkzeug und gepolsterten Knieschützern. Und dann natürlich gleich sofort die Luxus-Version. Eine richtige Arbeits-Latzhose ziert jetzt meinen Schrank. So eine, die Peter Lustig vor Neid hätte erblassen lassen. Wenn, ja wenn er nicht vor wenigen Wochen leider endgültig den Hammer aus der Hand gelegt hätte.

 

Die revolutionäre Nachricht meiner Arbeitshose verbreitete sich in meinem Familien- und Freundeskreis – pardon, meinem ehemaligen Freundeskreis – wie ein Lauffeuer. Tom hat eine Arbeitshose. Topfrage bei 10 von 10 Bekannten war anschließend: "Was willst DU damit?", direkt dahinter auf Platz 2 (8 von 10): "Für wen?".

 

Man darf es meiner Familie und meinen Freunden – pardon, Ex-Freunden – nicht übel nehmen. Tom in einer Arbeitshose. Das ist wie ein Schalker im gelb-schwarzen Jersey, Margot Käßmann im Petersdom oder Skifahren am Timmendorfer Strand. Also eigentlich undenkbar.

 

Zu frisch sind in meinem Bekanntenkreis die Erinnerungen an gebrochene Sägeblätter, die eigentlich als unkaputtbar galten, bevor ich die in die Finger bekam. Noch immer zu verärgert sind die Nachbarn in meiner alten Wohnung, nachdem es im ganzen Haus keinen Strom mehr gab, dafür aber mein Fortuna-Mannschaftsposter aus der Saison 2004/05 schön eingerahmt an der Wand hing. Der Gutachter von der Versicherung murmelte etwas von "zu langen Nägeln".

 

Oder die Situation, als ich – auf den Baustellen im Bekanntenkreis längst zum einfachen Hilfsarbeiter degradiert – die ehrenhafte Aufgabe hatte, einen Staubsauger unter ein Bohrloch zu halten. Selbstverständlich hatte ich zuvor vergessen, den Staubsauger an den Strom zu bringen. Vor Jahren habe ich für Aufregung gesorgt, als ich einem Nachbarn beim Aufschütten von Sand geholfen und mir bereits nach wenigen Minuten schmerzhafte Blasen zugezogen hatte.

 

Für einen wahren Lachanfall sorgte ich einst bei meinen Söhnen, als ich einer Uhr mit frischer weißer Farbe neuen Glanz verlieh, dieser Farbe jedoch nie die Chance gab, zu trocknen. Nun habe ich ein wunderbares Farbmuster auf dem Laminat unter der Uhr.

 

„Ach Tom, geh Du lieber Bier holen“, vertraut man mir seit Jahren bei Umzügen eine Aufgabe an, bei der selbst ich nichts falsch machen kann. Bis auf das eine Mal, als trotz Arbeitshandschuhe ein nagelneues Waschbecken den Weg aus dem dritten in den ersten Stock fand. Und mein geschätzter Kollege Hausmeister im Rathaus zuckt jedesmal angsterfüllt zusammen, wenn ich bei ihm nach Hammer und Nägeln frage. Diesen Scherz erlaube ich mir ab und an.

 

Meine Kollegen vom Bauhof verladen in schöner Regelmäßigkeit Praktikanten, indem sie diese mit dem Auftrag in den Baumarkt schicken, einen Böschungshobel zu kaufen. Ich verstehe den Witz nicht.

 

Und dann wäre da noch meine Freundin. Die Angeberin hat einen Akkuschrauber und kann damit sogar umgehen. Phhhh....

 

Aber jetzt hämmer ich zurück. Jetzt habe ich eine Arbeitsbutze.

 

Nun gut, so richtig konkrete Verwendung habe ich derzeit in der Tat noch nicht für das Teil. Und so häufen sich bei meinen Freunden – pardon, Ex-Freunden – derzeit gut gemeinte Arbeitsvorschläge. Gestern meinte eine Bekannte, ich könne ja mal bei ihr „kärchern“. Keine Ahnung, was das ist. Aber auf so eine Sauerei lasse ich mich nicht ein.

 

Ich habe gestern erst einmal klein angefangen und in der Latzhose gespült. Danach habe ich einen Nagel in das Flurregal gehauen, um diesem mehr Stabilität zu verleihen.

 

Der Arzt meint, der Verband kommt in drei Wochen wieder ab. Und dann werde ich es Euch allen zeigen...‪

 

 

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Ach, Fortuna...

A 4, Rasthof Aggertal. Sonntag Nachmittag. Vor mir dampft der Automaten-Kaffee. Die Stimmung am Nullpunkt. Ich hätte es wissen müssen. Schließlich kenne ich Dich nun schon seit über 30 Jahren. Selbstverständlich hast Du den heutigen Heimspiel-Auftakt versemmelt. Wie sollte es auch anders sein? Alles war vorbereitet. Geiles Wetter, 30.000 Zuschauer, darunter 18.000 mit einer Dauerkarte in der Tasche. Eine Führung nach zwei Minuten. Euphorie pur.


Strahlende Gesichter überall. Auch in den Autos, die mich heute Morgen noch auf der A 4 überholt haben. Aus Fulda, aus Mannheim, mit Fortuna-Aufkleber. Hoffnung pur. Die fatale Rückserie vor einigen Monaten? Vergessen.


Du hattest Dein schickes Kleid angezogen in den letzten Wochen, hast Dich ordentlich geschminkt. Ein neues Trainer-Team, viele neue Gesichter, ein geiles Wochenende gegen Ipswich. Kurzum: Du hattest Dich echt in Schale geworfen. Nicht schlecht für eine 120-jährige. Der Altersunterschied war mir bisher auch immer egal. Wo die Liebe eben hinfällt.


Noch heute Morgen warst Du attraktiv wie lange nicht mehr. Die 150 Kilometer hin zu Dir waren kein Problem für mich. Gern geschehen. Vor Freude. Die 150 Kilometer zurück sind mal wieder zum Kotzen. So wie Du heute. Jetzt bist Du wieder die Diva, meine anstrengende Geliebte.


Na klar, Du hast Recht. Ich bin es ja selbst schuld. Wer hält schon zu dem unberechenbarsten Fußball-Club auf diesem Planeten? Aber was soll ich denn machen? Hab mich halt in Dich verliebt, damals, Anfang der 80er. Beim Intertoto-Cup-Spiel am Flinger Broich gegen irgendeine belgische Mannschaft.


Kannst Du nicht einmal, wenigstens für einen Spieltag, so sein wie die Bayern? So verlässlich bei einem Heimauftritt. Oder wenigstens wie Freiburg. Die steigen ab und stehen gleich wieder vorne. Aber das wärst wohl nicht Du.


Jetzt hier vor meinem Kaffee auf der A4, zwischen den alten Leuten, die ihren Ausflug nach Aachen hinter sich haben und dem Trucker, für den es gleich wieder nach Mazedonien geht, hasse ich Dich. Morgen Mittag stehe ich vermutlich wieder im Kiosk in Attendorn, um mir die Rheinische Post zu sichern. Um meinen gelb-schwarzen oder blau-weißen Kollegen zuzurufen, dass Du doch der geilste Club der Welt bist.


Morgen, ganz vielleicht, werde ich Dich wieder lieben.


Ach, Fortuna...

Logo Fortuna Düsseldorf und Bergischr Löwe mit dem Schriftzug Unsere Heimat Unsere Liebe
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"Aus Liebe zum Spiel!" - Der Nachtisch

Das Trikot der deutschen Basketball-Nationalmannschaft an einer Wäscheleine

Die Teller sind gespült, die Gläser und Töpfe stehen wieder im Schrank. Und der DBB hat sich für eine hoffentlich auch in Deutschland stattfindende EuroBasket 2015 qualifiziert. Zeit, um einmal Danke zu sagen für diesen tollen Basketball-Sommer!

 

Hinter Anke und mir liegen aufregende Wochen und Monate, die wir nicht nur kulinarisch ausgefüllt haben. Wir freuen uns über die vielen positiven Reaktionen auf unseren Koch-BLOG und hoffen, Ihr hattet in den vergangenen Wochen genau so viel Spaß wie wir. Ob in den Hallen in Bamberg, Bonn oder Hagen, vor dem heimischen PC oder TV-Gerät oder wo auch immer ihr "Mukis" Jungs auf dem Weg zur EuroBasket 2015 unterstützt habt.

 

Anke und ich haben an dieser Stelle über die Basketball-Szenen in Österreich, Polen und Luxemburg berichtet und durften ein Interview mit BBL-Coach Mathias Fischer führen. Und wir hatten verdammt viel Spaß beim Kochen und Backen. Wie das DBB-Team hatten wir dabei auch mal den einen oder anderen Aussetzer am Herd. So wartet Matthes Bolte bis heute auf die versprochenen österreichischen Frühstückskipferl. Aber am Ende hat uns dieser Sommer fantastisch geschmeckt.

 

Wir durften innerhalb der großen Basketball-Familie neue Freundschaften aufbauen und alte Freundschaften pflegen. Unser besonderer Gruß geht an Joe Herber für einen spannenden Vortrag in Attendorn, an Katja, "die treue Seele" von ALBA und an Nicol, Gaby und Michaela, ebenfalls von ALBA, Claudia, Patricia und Oliver aus Bamberg, Ulli und Walter von "Fans respect Fans", an Andrea und Alexander vom FC Bayern Basketball, an den Basketball-Verrückten Matthes Bolte, der immer ein Hagener Junge bleiben wird, an Manuel, der mit uns die Liebe zum Phoenix teilt, an die Trommler und Anfeurer aus allen Teilen des Landes, an das Team des Fanclubs der Basketball-Nationalmannschaft um Moritz Schäfer für die wunderbare Arbeit in diesem Sommer, an BASKETBALL AID mit Bernd Kater und Jörg Lorenz und den vielen Helfern für die Präsenz in den Hallen, an das Team Israel für vier unvergessliche Tage im Hotel in Bamberg und last but not least an den DBB, Bundestrainer "Muki" Mutapcic und unsere Jungs für den Einsatz auf und neben dem Court.

 

Danke an die vielen Leserinnen und Leser unseres Kochstudios - wir sehen uns garantiert ab Oktober wieder in den Hallen des Landes, wenn unser Phoenix hoffentlich zu einem Höhenflug ansetzen wird.

 

Unsere Mitspieler der Dienstags-Zockergruppe möchten wir schon mal vorwarnen: wir haben in den letzten Wochen gut aufgepasst und werden Euch zukünftig fantastische Moves, Blocks und Dreipunktwürfe präsentieren... ;-)

 

Wir freuen uns auch auf eine neue spannende Saison mit unserer BG Biggesee in der 2. Regio West. Support your local Team!

 

Egal wo, egal wie, egal wann: Basketball ist und bleibt der geilste Sport der Welt!

 

Aus Liebe zum Spiel!

Anke & Tom

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Die Letzebuerger Gromperenzopp bringt die Quali

Kartoffeleintopf und eine Flasche und ein Glas Wein

So, wir sind durch. Feierabend. Über das wie spricht schon in ein paar Tagen keiner mehr. Hauptsache, wir haben es nun geschafft. Unsere EM-Küche wird geschlossen. Wir haben die Quali geschafft. So wie die deutsche Basketball-Nationalmannschaft...

 

Mit 118:66 setzten sich die DBB-Korbjäger zum Abschluss einer unerwartet nervenaufreibenden EM-Qualifikationsrunde in Luxemburg durch. Auch für Anke und ich stand mit der "Letzebuerger Gromperenzopp" noch einmal volle Konzentration auf dem Speiseplan. Dieser "Kartoffeleintopf mit altbackenem Brot" steht in keinem Zusammenhang mit dem gestrigen Spiel, stammt aber natürlich aus Luxemburg. Im Gegensatz zur deutschen Nationalmannschaft spielten Anke und ich das letzte Spiel von Anfang bis Ende konzentriert durch. Belohnt wurden wir mit einem einfachen, aber sehr schmackhaften Eintopf, dessen Rezept wir auch diesmal gerne wieder präsentieren.

 

"Letzebuerger Gromperenzopp"

 

Zutaten:

30 g Schmalz, Butter oder Margarine, 4 Möhren, 1/8 Knollensellerie (nur, wer das mag), 1 große Stange Lauch, 1 1/2 kg Kartoffeln, 1 1/2 Liter Brühe, Salz, Pfeffer (gemahlen), 4 Scheiben Brot (altbackenes, z. B. drei Tage altes Graubrot), 125 g Speck (geräuchert, durchwachsen, am Stück), 2 Zwiebeln, 4 geräucherte Mettwürste (Mettenden), Muskat

 

Zubereitung (Spielzeit: 30 min Arbeitszeit & 30 min Kochzeit):

Das Fett in einem möglichst hohen, großen Topf erhitzen und das geputzte, fein geschnittene Suppengemüse sowie die gehackten Zwiebeln darin andünsten. Die in Würfel geschnittenen Kartoffeln hinzufügen, mit heißer Brühe auffüllen sowie den Speck und die Mettwurst dazu geben. Mit Pfeffer und evtl. Salz abschmecken. Das gewürfelte Brot dazugeben und die Suppe eine gute halbe Stunde köcheln lassen.

Danach Fleisch herausnehmen und warm halten. Eintopf mit dem Kartoffelstampfer musig zerstampfen (nicht mixen oder pürieren). Danach das in Stücke geschnittene Fleisch wieder hinzugeben. Mit viel Muskatnuss pikant abschmecken.

 

Wird die Suppe zu sämig, einfach mit Brühe verdünnen. Schmeckt durchgezogen am nächsten Tag noch einmal mindestens genau so lecker.

 

Dazu haben sich Anke und ich mit dem "ST52"-Grauburgunder einen leckeren Tropfen Moselwein aus Luxemburg gegönnt. Hierzu mussten wir zwar auf dem Transfermarkt in Amazonien zuschlagen, aber zum Abschluss unserer kulinarischen EM-Quali-Tour haben wir uns diesen leckeren Tropfen einfach nur schmecken lassen.

 

Kartoffeleintopf und eine Flasche und ein Glas Wein
Hiermit haben wir die Quali geschafft...
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Sieg trotz Beton-Kipferl

Teighörnchen auf einem Teller

88:69 gegen Österreich. Puuuh. Gut dass den Österreichern im letzten Viertel immer der Saft ausgeht. Das hätte am vergangenen Sonntag auch böse enden können. So wie diesmal unsere kulinarische Spezialität...

 

Nett sehen sie ja aus, die österreichischen "Frühstückskipferln nach Eichkatzerl Art", auf die sich Matthes Bolte schon so sehr gefreut hatte. Aber diese Mini-Hörnchen hätten ihre Verwendung wohl nur als Puck im Eishockey finden können, so hart waren die. Wenn wir die Dinger wie versprochen bei unserem Heimspiel in Hagen unter unseren Freunden verteilt hätten, dann wären uns auf Anhieb fünf Teamfouls angehangen worden. Nur mit reichlich Marmelade und Kaffee waren sie zu ertragen. Unsere Nachkoch-Analyse ergab, dass wir vermutlich zu viel Hefe verwendet hatten.

 

Trotzdem wollen wir Euch das Rezept pflichtgemäß nicht vorenthalten, vielleicht gelingen Euch die Kipferl dann besser. Und Matthes Bolte würde sich wohl auch freuen...

 

Frühstückskipferln nach Eichkatzerl Art

 

Zutaten:

500 g Mehl, 10 g Hefe (frische, wir haben 25 g trockene Hefe genommen...), 2 TL Zucker oder Honig, 300 ml Milch (lauwarm), 1 TL Salz, 50 g Butter, etwas Butter (geschmolzene, zum Bestreichen), etwas Milch (zum Bestreichen)

 

Zubereitung (Spielzeit: 1 h Arbeitszeit, ca. 4 h Ruhezeit):

Die Milch mit der Hefe und dem Salz verrühren und ca. 30 Minuten stehen lassen. Das Mehl in eine Schüssel geben, den Zucker darüber streuen. Die Hefe-Milch-Mischung darüber gießen. Das Ganze ein bis zwei Stunden stehen lassen.

 

Nach der Ruhezeit mit der Butter zu einem geschmeidigen Teig verkneten. Knetzeit ca. 15 Minuten.  Den Teig rasten lassen, bis sich sein Volumen sichtlich vergrößert hat (ca. 1 Stunde). Den Teig falten und nochmals ca. 1 Stunde ruhen lassen.

 

Den Backofen auf 220°C (Ober/Unterhitze) vorheizen. Den Teig kurz durchkneten und zu einer runden Teigplatte ausrollen. In 12 "Tortenstücke" schneiden. Die Stücke mit geschmolzener Butter bestreichen und kurz kühl stellen, damit die Butter fest wird.

 

Die Stücke von der breiten Seite an zu Kipferln (Hörnchen) aufrollen. Auf ein Backblech (mit Backpapier ausgelegt) setzen. Nochmals 10-20 Minuten gehen lassen. Mit Milch bestreichen. Im Backofen 15-30 Minuten, je nach Backofen und gewünschter Bräune, backen.

 

Die Kipferln schmecken auch gut mit einer Nussfüllung. Wenn Sie denn gelingen...

 

 

Frühstückskipferl mit Marmelade und einem Pin von Phoenix Hagen auf einem Teller
Tweet von Frank Buschmann
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Golabki und Kopytka in EM-Form

Golabki mit Kopytka

Da Anke und ich beim heutigen EM-Quali-Spiel der DBB-Auswahl gegen Polen live und in Farbe in Bonn anwesend sein werden, haben wir bereits gestern Abend den polnischen Kochlöffel geschwungen. Auf dem Speiseplan standen Golabki mit Kopytka.

 

Golabki und Kopytka klingen zunächst einmal wie ein gefürchtetes polnisches Forward-Duo. Dahinter verbirgt sich jedoch das polnische Nationalgericht Golabki, die bei uns als mit Reis und Hackfleisch gefüllte Kohlrouladen bekannt sind. Und Kopytka ist eine einfache Kartoffel-Beilage.

 

Der Aufwand für dieses Gericht entspricht in etwa dem Aufwand, den die deutsche Basketball-Nationalmannschaft beim Hinspiel in Polen betreiben musste. Also schon Schwerstarbeit. Dank der gewohnt souveränen Teamleistung, einer starken Offense und vielen kulinarischen Rebounds am Brett… sorry, am Herd…. konnten Anke und ich dieses Spiel jedoch erfolgreich zu unseren Gunsten entscheiden.

 

Zum Gericht servierten wir ein gut gekühltes polnisches Bier.

 

Unser Fazit: Allein wegen dieses schmackhaften Gerichts hätten es die Polen verdient, zur Eurobasket 2015 zu fahren, so lecker war das.

 

Hier wie gewohnt das Rezept:

 

Golabki (Kohlrouladen)

 

Zutaten:

500 g Hackfleisch ( gemischt), 1 Kopf Weißkohl (mit großen Blättern), 3 EL Tomatenmark, 3 EL Ketchup, 250 g Reis, 2 Zwiebeln, 1 TL Fleischbrühe, 1 Pck. Speck, geräuchert, nicht gekocht (z. B. Frühstücks-Bacon), Salz und Pfeffer, etwas Maggi, ggf. Mehl zum Binden der Soße, ggf. Creme Fraiche zum Verfeinern der Soße

 

Zubereitung (Spielzeit: 40 Minuten Warm Up,1 bis 11/2 h Kochzeit):

Der harte Strunk des Weißkohls wird mit einem Messer aus dem Kohl herausgeschnitten, so dass ein kleines Loch entsteht. In einem sehr großen Topf wird der Kohl mit heißem Wasser übergossen, dann zugedeckt und muss dann bei schwacher Hitze paar Minuten köcheln. Hin und wieder wenden, damit die Blätter möglichst gleichmäßig weich werden. So vorbereitet können die Kohlblätter mit etwas Geschick voneinander getrennt werden.

 

Für die Füllung gibt man 500 g Hackfleisch in eine Schüssel. Reis wird ganz normal gekocht, allerdings nicht gar. Wasser salzen und den Reis etwa 10-12 Minuten im kochenden Wasser lassen, dann heraus nehmen, abtropfen und abkühlen lassen.

 

Zwiebeln würfeln, im heißen Öl goldfarben braten, nicht braun werden lassen. Den Reis und die angebratenen Zwiebeln zum Hackfleisch geben, mit Salz und Pfeffer abschmecken, dann mit den Händen zu einer Masse vermengen.

 

Mit einem Esslöffel jeweils Füllung auf ein Kohlblatt legen (etwa zwei, drei Esslöffel voll), dann etwas zusammenrollen, die Seiten einknicken und dann zu Ende rollen - fertig ist die Kohlroulade!

 

Nun wird die Pfanne heiß gemacht. Der Speck wird auf dem Boden der Pfanne platziert, so dass er ihn ganz bedeckt und wird so knusprig angebraten. Auf dem Speck werden die Golabkis dicht nebeneinander gelegt, dann zum Schluss mit 250 ml Brühe übergossen (reicht, wenn sie zur Hälfte bedeckt sind).

 

Bei mittlerer Hitze mit Deckel lässt man sie 1 - 1,5 Stunden köcheln. Sie sollten mehrmals vorsichtig gewendet werden, damit sie gleichmäßig gar werden.

 

Für die Soße werden die Golabkis aus der Pfanne herausgenommen. Der Speck kann jetzt auch raus, wenn man ihn nicht essen mag. Anke und ich haben ihn kleingeschnitten und mit in die Soße gepackt. Nun schmeckt man die Brühe mit Tomatenmark, Ketchup, Maggi und evtl. mit noch etwas Brühe ab. Wenn die Soße zu dünn ist, kann sie mit Mehl angedickt werden. Dazu getrennt in einem Glas mit kaltem Wasser etwas Mehl verrühren und unter Rühren zur kochenden Brühe geben. Ist die Soße zu „tomatig“, kann sie mit Creme Fraiche verfeinert werden.

 

Am Schluss kommen die Golabkis mit in die fertige Soße rein und können darin noch einmal erwärmt werden.

 

Kopytka

 

Zutaten:

600 g Kartoffeln, 1 Ei, 200 g Mehl, Salz

 

Zubereitung:

Kartoffeln kochen und leicht abkühlen lassen. Dann zerdrücken und mit Ei, Mehl und Salz zu einem Teig verarbeiten. Fingerdicke Rollen formen, davon 3 cm lange Stücke schneiden und in reichlich kochendes Salzwasser geben. Bei kleiner Flamme gar ziehen lassen. Schwimmen die kleinen Biester oben, dann sind sie schon gar (der Gnocchi-Effekt).

 

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Lost in Blätterteig - Eine Kaffeebohne im Final Four

Twitter-Beitrag des DBB zum ruckelnden Stream

Mit 109:49 gewann die DBB-Auswahl gestern Abend gegen Luxemburg. Ebenfalls kurzen Prozess haben Anke und ich in der Küche gemacht. Denn bereits am Vorabend hatten wir den luxemburgischen „Königskuchen“ in den Ofen geschoben, den wir uns gestern vor dem Spiel haben schmecken lassen.

 

„Kinnekskuch“, so lautet die luxemburgische Bezeichnung für das Backwerk aus Blätterteig und Cremefüllung mit Mandelgeschmack. Und bei unserem Nachbarn gehört es zur Tradition, in diesen Königskuchen eine Kaffeebohne zu platzieren. Derjenige, der auf diese Bohne beißt, bekommt der Legende nach Glück….oder einen schnellen Termin beim Zahnarzt. Stand heute – Montag – haben wir noch ganze vier Stücke auf dem Kuchenblech. Von der Bohne fehlt nach wie vor allerdings jede Spur. Also „Final Four“ für den kleinen Glückbringer.

 

Glück brauchten „Mukis“ Jungs gestern nicht. Der Pflichtsieg über die erwartungsgemäß überforderten Basketballer aus LUX stand bereits früh fest. Und so richtete sich die Aufmerksamkeit der vereinten Baba-Fans, die nicht den Weg nach Trier gefunden hatten, gebannt auf den vom Deutschen Basketball-Bund angebotenen Stream. Der erinnerte leider an eine Fahrt mit der Regionalbahn: Halt alle drei Minuten. Eine befreundete Basketball-Anhängerin aus Bamberg berichtete uns von befürchteten Albträumen, in denen Dirk Nowitzki eine Hauptrolle spielte. Denn sie bekam nach jeder Unterbrechung den Werbespot des DBB-Unterstützers angeboten. Wieder und wieder, ING-DiBa. Die Entschuldigung der DBB-Crew vor Ort nehmen wir natürlich an, denn die hatten gestern mit Sicherheit nichts zu Lachen.

 

Ganz im Gegenteil zu uns Kuchenessern, denn der Königskuchen machte seinem Namen alle Ehre. Furchtbar lecker ist er.

 

Und hier gibt es das Rezept:

 

Königskuchen („Kinnekskuch“)

 

Zutaten:

Für die Creme: 10 g Zucker uns 2 Pck. Vanillezucker, 15 g Speisestärke, 2 Eier (davon das Eigelb), 70 ml Milch, 60 g Crème fraiche, 10 g Butter

Für die Füllung: 150 g weiche Butter, 1 Ei, 1 Ei (davon das Eigelb), 100 g Zucker, 2 Pck. Vanillezucker, den Saft einer Zitrone oder die abgeriebene Schale der Zitrone (falls unbehandelt), 140 g Mandeln (gemahlen), 25 ml Rum (kann auch wegbleiben)

Für den Teig: 330 g Blätterteig (fertig aus der Tiefkühltruhe), 1 Ei (Eiweiß und Eigelb trennen)

 

Und natürlich die Kaffeebohne...

 

Zubereitung (Spielzeit ca. 50 min. zzgl. Back-Overtime von 45 min):

KONDITORCREME: Mit dem Mixer Zucker, Vanillezucker, Speisestärke, und Eigelb schaumig schlagen. Milch und Crème fraîche mit dem Mixer verrühren. Unter Rühren zum kochen bringen. Eierschaum untermischen. Alles eine Minute unter Rühren leicht kochen. Konditorcreme in eine Schüssel geben. Butter untermischen. Creme im Wasserbad abkühlen lassen, dabei ab und zu umrühren.
200 g Konditorcreme für die Mandelfüllung abwiegen.


MANDELFÜLLUNG: Butter mit dem Mixer schaumig rühren. Verquirltes Ei, Eigelb, Zucker, Vanillezucker, Mandeln und Zitronenschale (oder Zitronensaft) dazugeben. Alles mit dem Mixer gut verrühren. Konditorcreme unterrühren, Rum (falls verwendet) untermischen.


BACKEN: Backofen auf 175° vorheizen. Auf einer bemehlten Fläche die Hälfte des Blätterteigs 2 mm dünn ausrollen. Eine mit Backpapier ausgelegte Springform(26 bis 28 cm Durchmesser) mit dem Blätterteig auslegen. Teigrand mit Eiweiß bestreichen. Die Mandelfüllung auf dem Boden verstreichen, dabei rundum einen 1 cm breiten Rand frei lassen. Den Glücksbringer (die Bohne) in die Füllung stecken. Restlichen Blätterteig 2 mm dünn ausrollen. Kuchen damit bedecken. Teig an den Rändern leicht andrücken. Überschüssigen Teig abschneiden. Mit verquirltem Eigelb bestreichen, mit einer Gabel mehrmals einstechen. Mit einem scharfen Messer ein Rautenmuster in den Kuchen einritzen. Im Ofen (Umluft 160°, Gas Stufe 3) 40 bis 45 Minuten backen.

 

Ein Kuchen
Wo ist die Bohne?
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Cordoba bleibt Fußball und ein gelungener Auftakt in der Küche

Das beschädigte Trikot von Heiko Schaffartzik

77:64 in Österreich. Was am Ende nach einem klaren Sieg klingt, war in Wirklichkeit eine Mahlzeit, die den deutschen Basketball-Fans fast den Magen verdorben hätte. Ganz im Gegenteil zu unserem gestrigen Gericht.

 

Bevor die Muki-Jungs das Parkett in Schwechat betraten, ging das Spiel für Anke und mich schon drei Stunden vorher los. Nach der urlaubsbedingten Auszeit am vergangenen Sonntag und der Blechtrommel-Enttäuschung von Lübeck hieß es gestern endlich Schürze um und auf in den Kampf. Auf dem Speisezettel standen „Rinderrouladen auf österreichische Art“, also „Pick & Rouladen“ at it’s best…

 

Unser Spiel am Herd dauerte incl. Einkauf ca. drei Stunden, was daran lag, dass die Rouladen nun mal so lange gebraucht haben ins Spiel zu kommen wie die deutsche Mannschaft anschließend in Schwechat. Aber am Ende war alles gut. Deutschland gewinnt in Österreich, Cordoba bleibt Fußball und Anke und ich hatten eine richtig gute Mahlzeit auf den Teller bekommen.

 

Hier das Rezept (für 2 Personen, es darf ja auch ruhig was für den nächsten Tag übrig bleiben…):

 

„Rinderrouladen auf österreichische Art“ (mit Spätzle und Rotkohl)

 

Zutaten:

4 Rouladen vom Rind, 1 Bund Suppengrün, 4 Gewürzgurken, 100 g Räucherbauch, 1 TL Tomatenmark, Senf, Salz, 1 Zitrone, Mehl zum Bestäuben, Öl, Knoblauchgranulat

 

Beilage:

500 g Spätzle, Rotkohl (aus dem Glas)

 

Zubereitung (ca. 30 min):

Räucherbauch und Gewürzgurken in Scheiben schneiden. Suppengrün schneiden, muss aber nicht ganz klein sein. Die Rindsrouladen salzen und auf einer Seite mit Senf bestreichen. Mit Räucherbauch und Gewürzgurken belegen, aber nur ca. 2/3 vom Fleisch. Die Rouladen zusammenbinden oder mit Pieksern zusammenstecken.

 

In einer höheren Pfanne oder einem breiten Topf ein bisschen Öl erhitzen, die Rouladen scharf anbraten und herausnehmen. In dem Bratfond das Suppengrün und evtl. auch Gewürzgurken (sparsam, sonst wird die Soße etwas sauer) mit Tomatenmark und Senf anbraten. Mit Salz und Knoblauch kräftig würzen, großzügig mit Zitrone ablöschen. Die Rouladen wieder reinlegen und mit Wasser aufgießen. Halb zugedeckt auf kleiner Stufe köcheln lassen.

 

Wenn die Rouladen weich sind, (ca. 1 1/2 - 2 Stunden) kommt das Fleisch aus der Pfanne. Der Saft wird nun mit Mehl gebunden und einmal kräftig aufgekocht. Dann einen Mixstab nehmen und alles durchmixen. Das Gemüse muss nicht ganz püriert sein.

 

Die Soße noch abschmecken, Rouladen wieder rein legen und noch ziehen lassen, bis die Beilage (bei uns Spätzle und Rotkohl) fertig sind.

 

Die Wartezeit der Rouladen haben Anke und ich mit einem hervorragenden 2011er Rotwein der bekannten österreichischen Weinmarke „Blauer Zweigelt“ überbrückt. Neben dem Wein gab es zum Essen noch die berühmte Ösi-Brause zu trinken. Wir meinen jetzt nicht Red Bull, sondern „Almdudler“.

 

Fazit:

Kochen können sie, die Österreicher. Und Basketball spielen ebenso. Das wissen wir nun seit gestern auch…

 

Rouladen mit Spätzle und Rotkohl auf zwei Tellern angerichtet
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Das Schweigen der Blechtrommel

Eine Blechtrommel
(Foto: yoomcom.de)

Mit der 67:68-Niederlage in Polen ging der EM-Quali-Auftakt für die deutsche Mannschaft gründlich daneben. Wir haben mit der kleinen Blechtrommel den Schuldigen gefunden...


Während sich Anke urlaubsbedingt sogar in Polen aufhielt, verschlug es mich für ein paar Tage an die Ostsee. Meiner Pflicht des EM-Quali-Kochens wollte ich natürlich dennoch nachkommen. Und so war das polnische Restaurant "Blechtrommel" in Lübeck das Ziel meiner Reise. Neben zahlreichen lecker klingenden Speisen wirbt das Restaurant im Herzen der Marzipanstadt auch mit dem Slogan: "Wir würden uns freuen Sie bald persönlich bei uns begrüßen zu dürfen. Schauen Sie doch einfach spontan bei uns vorbei."

 

Genau das habe ich gemacht. Und stand trotz Einhaltung der Öffnungszeiten am Sonntag Mittag dennoch vor verschlossenen Türen. Ein Schild an der Tür? Fehlanzeige! Ein Hinweis auf der Homepage? Fehlte ebenso wie der spielerische Glanz der deutschen Mannschaft am Abend. Spätestens da hättte ich wissen müssen, dass das Spiel in die Hose geht.

 

Immerhin ließ es sich Anke in Polen kulinarisch sehr gut gehen, was die nachstehenden Bilder beweisen:

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"Deutschland ist klarer Favorit!" - Interview mit Mathias Fischer

BBL-Coach Mathias Fischer rechnet fest mit der EM-Quali. Und schwört, dass er seine Finger bei der Auslosung nicht im Spiel hatte…

Mathias Fischer
(Foto: n24.de)

(06.08.14) Deutschland, Polen, Luxemburg und Österreich. So lautet die Konstellation in der EM-Quali-Gruppe C. Fast scheint es so, als sei die Gruppenauslosung eigens für Mathias Fischer gemacht worden. Denn der Headcoach der Telekom Baskets Bonn hat eine enge Beziehung zu allen vier Ländern.

Der 43-jährige wurde im polnischen Koźle geboren, lebt seit seinem zehnten Lebensjahr in Deutschland und blickt heute auf Spieler- und Trainerstationen in Luxemburg, Österreich und Polen zurück.

 

Am Rande des diesjährigen Supercups in Bamberg hatten Anke und ich vor einigen Tagen die Gelegenheit, mit Coach Fischer ein Interview zu führen. Warum die anstehende EM-Quali gerade für ihn eine besondere ist, wie er die deutschen Gruppengegner einschätzt und wie er sich selbst am Herd schlägt, das erfahrt Ihr hier.

Mathias Fischer, Deutschland, Polen, Luxemburg und Österreich in einer Gruppe. Hand aufs Herz: Sie hatten bei der Auslosung doch Ihre Finger im Spiel?

MF (lacht): Nein, ganz ehrlich nicht. Aber diese Konstellation hat mich natürlich sehr gefreut.

 

Wer ist für Sie der Favorit in der Gruppe?

MF: Noch vor ein paar Wochen hätte ich einen Zweikampf zwischen Polen und Deutschland erwartet. Da Polen nun vermutlich ohne Gortat und Lampe antreten wird, ist die deutsche Nationalmannschaft der klare Favorit und wird sich auch durchsetzen. Aber leicht wird es dennoch nicht, denn das deutsche Team ist nicht gerade eingespielt. Die Jungs, die in der Summer League gespielt haben, stießen ja erst jetzt zum Team. Da Basketball durch und durch Teamsport ist, ist jedes Vorbereitungsspiel wie hier beim Supercup und jede Trainingseinheit Gold wert. Eine eingespielte Mannschaft wie Israel zeigt deutlich, wie wichtig es ist, als Team zu funktionieren.

„Marcin, Du bist kein Torwart!“

Gerade zu Polens Superstar Marcin Gortat gibt es Ihrerseits ja eine Verbindung.

MF: Genau richtig. Vor dem Beginn seiner erfolgreichen NBA-Karriere (Orlando, Phoenix, Washingten, d. Red.) war Marcin von 2003 bis 2007 bei RheinEnergie Köln unter Vertrag. In der Saison 2004/05 war ich dort Co-Trainer. Gemeinsam haben wir den Pokal gewonnen. Dabei war Gortat früher Fußball-Torwart, hatte in der Leichtathletik und hier vor allem im Hochsprung Talent. Und sein Vater war ein erfolgreicher Boxer. Und dann schaute eines Tages ein Basketball-Trainer Marcin beim Fußball zu, ging auf ihn zu und sagte: „Du bist kein Torwart. Du bist Basketballer.“ Und dieser eine Satz war der Beginn einer erfolgreichen Karriere.

 

…die ihm zu Kölner Zeiten nicht jeder zugetraut hätte…

MF: Das stimmt. Es gab Spiele, da hatte Marcin gerade mal sechs Punkte auf dem BBL-Statistikzettel stehen. Aber er hatte immer den Traum von der NBA und das hat er auch offen kommuniziert. Viele haben ihn dafür ausgelacht. Aber er hat es geschafft.

„Mahalbasic hat das Talent für die BBL oder die NBA!“

Ihre Einschätzung des österreichischen Basketballs?

MF: Der Basketball in Österreich hat sich gut entwickelt. Mittlerweile haben zwei, drei Spieler ein hohes internationales Niveau. Einige der Jungs habe ich während meiner Trainertätigkeiten in Klagenfurt und Gmunden in den Jahren 2008 bis 2012 mit ausgebildet. So wie Rašid Mahalbašić, mit dem ich in der Saison 2008/09 bei den Wörthersee Piraten gearbeitet habe. Ein toller Typ, der das Talent für die NBA hat. Sollte das nicht klappen, würde ich mich freuen, den Burschen in der BBL zu sehen.

„Luxemburg ist ein basketballverrücktes Land!“

Und Basketball in Luxemburg…

MF: …war eine wunderbare Zeit für mich. 2006/07 war ich dort Nationaltrainer und in der Saison 2007/07 Coach bei den Black Star Mersch. Luxemburg ist ein total basketballverrücktes Land. Die Fans machen eine super Stimmung dort. Mit der Nationalmannschaft habe ich tolle Erfahrungen machen dürfen wie die Teilnahme an den Kleinstaatenspielen oder ein Quali-Spiel in Georgien, wo wir von 10.000 heißblütigen Fans in Tiflis begrüßt wurden.

 

Warum schafft es Luxemburg nicht weiter nach oben?

MF: Es ist halt ein sehr kleines Land mit einer sehr kleinen Liga und einer strengen Ausländer-Quotierung. Und jeder weiß, wie schwer der Schritt aus dem U16 oder U18-Bereich in den Senioren-Basketball ist. Gerade im Jugendbereich sorgen die hervorragend ausgebildeten Auswahlmannschaften Luxemburgs ja immer wieder Mal für positive Schlagzeilen und gute Resultate. Aber der nächste Schritt ist dann doch einfach zu groß.

Mathias Fischer im Gespräch mit Tom Kleine
Mathias Fischer im Gespräch mit Tom Kleine.

Zurück nach Deutschland. Hinter Ihnen liegt eine sehr schmackhafte Saison mit den Telekom Baskets Bonn, um bei unserem Koch-Thema zu bleiben. Wie geht es weiter?

MF: Ich hoffe, es geht weiter nach oben für uns. Denn Bonn ist ein absoluter Spitzenclub in Deutschland mit einem professionellen Umfeld, einer tollen Halle und super Fans. Das erste Jahr in Bonn hat mir unheimlich viel Spaß gemacht.

 

Das Jahr davor in Gießen dürfte dagegen noch immer etwas schwer im Magen liegen?

MF: Nein, ganz im Gegenteil. Einen Tag bevor die 46ers am 22. Dezember 2012 den Insolvenzantrag gestellt hatten,  konnten wir Vizemeister Ulm in eigener Halle besiegen und auf Platz 16 in der BBL klettern. Und das mit unserem Mini-Budget. Wir haben in der Saison als Team funktioniert. Auch nach dem Insolvenzantrag. Wir haben die Saison gemeinsam durchgezogen und dafür von überall Respekt bekommen. Das war menschlich und sportlich eine sehr lehrreiche Saison für mich, die mir daher nicht im Magen liegt.

Bonn vs. Köln

In Köln, also in direkter Nachbarschaft zu Bonn, bauen Stephan Baeck & Co. wieder ein spannendes Basketball-Projekt auf. Sieht man das in Bonn skeptisch?

MF: Nein, absolut nicht. Sogar ganz im Gegenteil. Mir kann das Projekt in Köln nicht schnell genug gehen. Köln gegen Bonn, was wäre das wieder für ein tolles Derby. Darauf dürften sich alle Basketball-Freunde freuen.

Zwischen Diktator und Kumpel

Johannes Herber beschreibt in seinem jüngst erschienen Basketball-Buch „Almost Heaven“ zwei Trainertypen. Den Diktator und den Kumpel. Wo ordnen Sie sich ein?

MF: Irgendwo dazwischen. Als Diktator kommst Du bei der heutigen Spielergeneration nicht weit. Aber zu viel Kumpel darf auf keinen Fall sein. Die Spieler müssen schon wissen, dass ich die Verantwortung für die Mannschaft trage und daher das Sagen habe.

„Pirogge gelingen mir ganz gut!“

Jetzt wird es doch noch kulinarisch. Sie haben vor wenigen Wochen ihre Frau Merliis geheiratet. Hierzu noch unseren herzlichsten Glückwunsch. Darf sich Ihre Frau auf ihre Kochkünste freuen?

MF: Selbstverständlich. Mit Käse und Speck gefüllte Pirogge (polnische Teigtaschen, d. Red.) gelingen mir ganz gut.

 

Herr Fischer, vielen Dank für das Gespräch. Viel Erfolg in der neuen BBL-Saison mit den Telekom Baskets Bonn und weiterhin gutes Gelingen am Herd wünschen wir Ihnen!

Drei Personen
Mathias Fischer (Mitte) im Gespräch mit Anke Reinitz und Tom Kleine.

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Österreich hat eine Mission

„Mission 20-15“. Auf dieser Reise befindet sich der Basketball in Österreich. Nach 38 Jahren soll endlich wieder einmal die Qualifikation für ein internationales Großturnier gelingen.

Die österreichische Basketball-Nationalmannschaft
(Foto: basketflames.at)

 

Island hatte bereits einen, der Süd-Sudan auch. Gabon und Tansania ebenfalls. Belize sogar zwei. Und Österreich? Null. Die Rede ist von Spielern in der NBA. Bis heute hat es kein einziger Korbjäger in die US-Kommerzliga geschafft. Ich selbst bin zwar nicht der größte Freund von NBA-Basketball und würde einem Spiel dort jederzeit ein gepflegtes Euroleague-Match zwischen Maccabi Tel Aviv und Lok Kuban vorziehen. Dennoch ist die Null-Spieler-Bilanz der Österreicher ernüchternd. Selbst der „geliebte“ Nachbar Schweiz hat aktuell mit Thabo Sefolosha einen NBA-Akteur vorzuweisen.

 

List of foreign NBA-Players

 

Die Nullnummer ist der zahlenmäßige Beweis, dass der Basketballsport in Österreich leider eine Randsportart ist. Wintersport ist in der Alpenrepublik nicht überraschend weit vorne. Und da eingeschlossen als Mannschaftssport natürlich Eishockey. Dort haben es bis heute bereits sieben Akteure in die NHL geschafft.

Hoffnungsträger Rašid Mahalbašić

Der Basketballer Rasid Mahalbasic im Duell mit zwei Gegenspielern
Rašid Mahalbašić. (Foto: sportnet.at)

Die Hoffnungen der österreichischen Basketball-Fans, dass es einer der ihren doch einmal in die NBA schafft, ruhen aktuell auf Rašid Mahalbašić. Der 23-jährige Nationalspieler Österreichs ist slowenisch-bosniakischer Abstammung und schnuppert zumindest an der NBA. Vor einem Jahr stand er im Trikot der Utah Jazz auf dem harten Parkett der US-Summer League. Für die NBA hat es dabei noch nicht ganz gereicht, dennoch blickt der Center/Power Forward trotz seiner jungen Jahre schon auf einige international namhafte Stationen zurück. Von den Wörthersee Piraten, wo er bereits mit 17 Jahren in der höchsten Liga ÖBL debütierte, ging es 2010 zu Fenerbahce Istanbul. Nicht die allerschlechteste Adresse für einen 20-jährigen.

 

Dass er während seiner zweijährigen Vertragszeit am Bosporus mehrfach verliehen wurde, lag auch an der bekannt strengen Legionärsregelung im türkischen Basketball. Nach einem Kurzeinsatz im slowenischen Lasko und einem Engagement beim polnischen Serienmeister Asseco Prokom geht Rašid Mahalbašić seit 2013 für das tschechische Spitzenteam CEZ Nymburk in der Liga und im Eurocup auf Korbjagd.

Ritter Thomas erobert die Liga

Thomas Klepeisz im Trikot der österreichischen Basketball-Nationalmannschaft
(Foto: basketballaustria.at)

Mit Thomas Klepeisz (Foto rechts) steht ein weiteres hoffnungsvolles Talent im Kader der Österreicher. Der 1,85 Meter große Point Guard feiert in diesen Tagen seinen 23. Geburtstag. Er schnürt die Sneakers für die Güssing Knights, aus deren Jugendprogramm Klepeisz stammt. Mit dem erstmaligen Gewinn der österreichischen Meisterschaft feierten die Ritter aus dem Burgenland in diesem Sommer den größten Erfolg der Vereinsgeschichte.

 

In der Finalserie der Admiral Basketball Bundesliga (ABL)setzten sich die Korbjäger aus der knapp 4.000 Einwohner kleinen Stadt Güssing in einer dramatischen Serie gegen die ece bulls Kapfenberg durch. Den Knights gelang das Kunststück, einen 0:2-Rückstand in einen 3:2-Seriensieg umzumünzen. Die diesjährigen Play Offs in der ABL waren ohnehin eine spannende Sache. Gleich vier der sieben  Duelle gingen über die volle Distanz.

 

Zur Belohnung dürfen die Knights in der kommenden Spielzeit internationale Erfahrungen sammeln. In der EuroChallenge - nach Euroleague und Eurocup sozusagen die 3. Liga Europas - geht es ab November in der Vorrundengruppe F gegen Trabzonspor aus der Türkei, Cluj-Napoca aus Rumänien und Atomerömü aus Ungarn. Sollten die Jungs aus Güssing die nächsten Runden erreichen, wären Duelle gegen die BBL-Clubs aus Ulm oder Frankfurt möglich.

Ortner ist das Aushängeschild

Benjamin Ortner im Trikot von Montepaschi Siena
(Foto: messanabasket.it)

Das personifizierte Aushängeschild des österreichischen Basketballs ist jedoch ein anderer: Benjamin Ortner (Foto links). Der 30-jährige Center/Power Forward ist bereits seit 2005 in der angesehenen italienischen Liga unterwegs. Lediglich im Jahr 2012 spielte der Innsbrucker für ganze vier Spiele für die Gießen 46ers in der BBL, bevor er dann doch wieder zurück nach Italien zur Spitzenmannschaft Montepaschi Siena wechselte.

 

Mit dem Team aus der Toskana gewann Ortner 2013 Meisterschaft und Pokal und sammelte in der vergangenen Saison Erfahrungen in der Euroleague. In der italienischen Meisterschaft musste sich Siena in der jüngst abgelaufenen Spielzeit nach einer 3:4-Serie dem neuen Meister Empori Armani Mailand geschlagen geben.

 

Aufgrund von Querelen mit dem Verband blieb Ortner der Nationalmannschaft lange Zeit fern. Daran und aus anderen Gründen hat sich bis heute nicht viel geändert. Leider. Denn mit einem Benjamin Ortner im Kader steigen Österreichs Chancen, sich nach 1977 endlich wieder einmal für ein großes internationales Turnier zu qualifizieren. In jenem Jahr nahmen die ÖBV-Auswahlspieler an der EM-Endrunde in Belgien teil. Null Siege in sieben Spielen bedeuteten den letzten Platz.

 

In der aktuellen FIBA-Weltrangliste (Stand September 2013) teilt Österreich das Schicksal von Luxemburg und findet sich auf Platz 88 der punktlosen „Sonstigen Staaten“ wieder.

Enttäuschung nach der Vor-Quali

(Foto: basketballaustria.at)
(Foto: basketballaustria.at)

Die anstehende Qualifikationsgruppe mit Deutschland, Polen und Luxemburg hätten sich die Rot-Weiß-Roten gerne erspart. In der von der FIBA geschaffenen Vor-Qualifikation für die „kleineren“ Teams im Vorjahr gab es für den Sieger eine Wildcard für die Eurobasket 2015 zu gewinnen. In diese Quali-Runde ist die Mannschaft von Auswahltrainer Werner Sallomon mit großen Hoffnungen und nicht gerade kleinen Chancen gegangen.

 

In der Gruppe mit der Schweiz, Dänemark und Luxemburg reichte es dann aber trotz einer 5:1-Bilanz aufgrund des mit gerade einmal fünf Punkten negativen direkten Vergleichs ausgerechnet gegenüber der Schweiz „nur“ zu Platz 2 in der Vorrunde. Doch auch die Eidgenossen gingen anschließend leer aus. In der Endrunde sicherte sich Estland die Wildcard für die Eurobasket 2015.

 

Dieser Chance auf die vorzeitige Quali für die Eurobasket 2015 trauern die Mannen von Werner Sallomon bis heute nach. Der Traum von der ersten Teilnahme an einem wichtigen Turnier seit 1977 lebt allerdings weiter. Klickt man die informative Homepage des ÖBV an, so leuchtet einem fett entgegen:

Startseite der Internetseite des ÖBV mit dem Schriftzug Mission 20-15

Zu gönnen wäre es unseren Nachbarn, damit der schönste Sport der Welt in Österreich endlich mehr als nur eine Randnotiz wird.

Bilanz knapp positiv

Die deutsche Bilanz gegen Österreich ist überraschend fast ausgeglichen. In bisher 24 Aufeinandertreffen der Nachbarn behielten die deutschen Korbjäger bei einem Korbverhältnis von 1669:1571 gerade 14 Mal die Oberhand. In den Jahren 1977 bis 2007 gingen sich beide Länder aus dem Weg, lediglich unterbrochen durch ein Spiel im Jahr 1984. Das letzte Duell gab es am 28. Juli 2012, als Deutschland im österreichischen Oberwart mit 98:81 die Oberhand behielt (Benzing 12, Doreth, Günther 11, Zirbes 10).

 

Deutschland gegen Österreich - Die Bilanz

 

Österreich auf der Homepage der FIBA Europe

 

Die Termine in der EM-Quali

Mi., 13. August 2014 (2. Spieltag)

20.20 Uhr (voraussichtlich live auf EinsPlus)

ÖSTERREICH - DEUTSCHLAND

in Schwechat, Multiversum

 

So., 24.08.14 (5. Spieltag)

14.00 Uhr (live im WDR)

DEUTSCHLAND - ÖSTERREICH

in Hagen, Enervie Arena

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Mit „Aggys“ Bart zum ersten Weltranglisten-Punkt? – Basketball in Luxemburg

Das Logo des luxemburgischen Basketball-Verbandes FLBB

Ein Bericht über den Basketball in Luxemburg? Na, das ist für einen Basketball-Fan außerhalb von Trier doch mal eine echte Herausforderung, der ich mich allerdings gerne stelle. Denn für mich spielt es keine Rolle, ob es um die NBA oder um ein Kreisliga-Derby in Westfalen geht. Hauptsache es geht um Basketball.

Und Luxemburg selbst durften Anke und ich in diesem Jahr nach einem BBL-Spiel in Trier kennen- und schätzen lernen. Hier habe ich meinen ersten Auslands-Punkt beim Geocachen eingesammelt. Hier haben wir selbstverständlich das Auto vor der Heimfahrt getankt und Kaffee eingekauft. Und uns mit herrlichem Gebäck eingedeckt. Und es werden Kindheitserinnerung wach an 80er Jahre, in denen Mutti immer „Radio Luxemburg“ mit Frank Elstner, Viktor Worms und Thomas Gottschalk über Mittelwelle gehört hat. Okay, ich schweife ab…

Leider hat es bei unserem Trier-Besuch zuletzt nicht für ein Spiel in der der „Total League“ gereicht. Aber dank dieser tollen Erfindung namens Internetz kann man sich durch alle Themen hangeln. So auch durch das Thema Basketball in Luxemburg. Auch wenn es bei meiner Recherche öfter mal hieß:

Eine Wikipedia-Meldung

Während das europäische Finanz- und Verwaltungswesen im Groussherzogtum Lëtzebuerg eine große Rolle spielt, hängen für den Luxemburger Basketballsport die Körbe international gefühlt auf sechs Meter. Kein Wunder, Luxemburg ist mit seinen gut 550.000 Einwohnern nach Malta schließlich das zweitkleinste Land der EU. Und da jeder Luxemburger offensichtlich mit einem Rennrad unter dem Hintern geboren wird, um auf den Spuren von Charly Gaul oder den Schleck-Brüdern durch die Radsport-Welt zu pedalieren, haben es andere Sportarten in unserem schönen Nachbarland eben schwer.

 

Obwohl die Begeisterung für den geilsten Sport der Welt auch in Luxemburg früh Fahrt aufnahm. Denn bereits im Jahr 1934 trat der Verband der FIBA bei. Die Auswahl der Fédération Luxembourgeoise de Basketball konnte sich bisher allerdings noch nie für Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele qualifizieren. Luxemburg nahm jedoch in den Jahren 1946, 1951 und 1955 immerhin an den Europameisterschaften teil. Bei der letzten Teilnahme vor 59 Jahren konnten dabei drei Siege über Dänemark und Schweden (2x) verbucht werden.

 

Ein Großer bei den Kleinstaatenspielen

Die Briefmarke der Spiele der kleinen Staaten von Europa
(Foto: wopa-stamps.com)

Aber da gibt es ja noch „D'Spiller vun den klengen Staaten vun Europa“. Also die „Spiele der kleinen Staaten von Europa“, die seit 1985 zweijährlich stattfinden. An dieser „Mini-Olypiade“ dürfen nur Länder mit einer Einwohnerzahl unter einer Million teilnehmen. Und dort ist Luxemburg mit Platz 3 im Medaillenspiegel ein Großer. Ich habe keine Ahnung, ob Luxemburg bei diesen Spielen im Bocchia oder Squash jemals was gerissen hat, aber im Basketball sprangen bei den Kleinstaatenspielen bisher drei Silber- und zwei Bronzemedaillen für die Luxemburger raus.

Sechs Niederlagen in der Qualiphase 1

In der anstehenden EM-Qualigruppe C mit Deutschland, Polen und Österreich im August wird Luxemburg natürlich und fast wie immer der totale Außenseiter sein. Das war schon so in der Qualifikationsphase 1, die bereits im Vorjahr stattfand. Um die Aussichten der „kleineren“ Basketball-Nationen auf eine Teilnahme an einem „großen“ Endturnier zu stärken, hatte die FIBA diese Vorab-Qualirunde eingeführt, bei der sich am Ende Estland mit einem Finalsieg über Bulgarien eine Wildcard für die Eurobasket 2015 sicherte. In der Gruppe mit der Schweiz, Österreich und Dänemark blieben die luxemburgischen Korbjäger aus Walferdange, Dudelange, Ettelbruck und Remich sieglos.

Trainer Frank Baum mit Basketball-Spielern
(Foto: volksfreund.de)

Danach gingen der luxemburgische Basketball-Verband und sein deutscher Trainer Frank Baum (Bildmitte) getrennte Wege. Für den Leverkusener Frank Baum endete damit eine sechsjährige Trainertätigkeit in Luxemburg als Trainer bei den Musel Pikes Remich (2007 bis 20013) und der Nationalmannschaft (2010 – 2013). Aktueller Headcoach der Auswahlmannschaft ist Franck Meriguet.

 

Ebenfalls Trainererfahrungen in Luxemburg hat Mathias Fischer. Der aktuelle BBL-Coach der Telekom Baskets Bonn war von 2006 bis 2007 für die Auswahlmannschaft Luxemburgs und 2007 bis 2008 für Black Star Mersch verantwortlich.

Topscorer Samy Picard

Samy Picard im Trikot der TBB Trier
Samy Picard im Trikot der TBB Trier (Foto: volksfreund.de)

Trotz der sechs Niederlagen gab es während der Qualiphase 1 im vergangenen Jahr im Kader der Rot-Weiß-Blauen einen verhaltensauffälligen Spieler: Samy Picard. Am Ende der Qualiphase 1 standen bei dem 26-jährigen Power Forward satte 19.2 Punkte, 5.5 Rebounds und 0.8 Assists pro Spiel in der Statistik. Von 2009 bis 2012 stand Picard bei der TBB Trier in der BBL unter Vertrag. Zuletzt schnürte Picard seine Schuhe für Amicale Steinsel, mit der in der vergangenen Saison die Vizemeisterschaft „feiern“ durfte.

 

Luxemburgischer Meister wurde nach einer 2:1-Finalserie T71 aus der 20.000 Einwohner-Stadt Dudelange, deutsch: Düdelingen. Dieses Team wird angeführt von Point Guard und Nationalspieler Tom Schumacher.

 

Die “Total League”-Saison 2013/2014 bei Eurobasket

„Aggy“ bei Nachbarns

Alex Mock und das Maskottchen der TBB Trier
Originale unter sich. (Foto: volksfreund.de)

Doch das bekannteste Gesicht – und das im wahrsten Sinne des Wortes – im Kader der Luxemburger gehört einem Deutschen: Axel Mock. Richtig gelesen, unser aller „Aggy“. Der Kult-Masseur der TBB Trier. Der Mann, dessen haariges Konterfei das Maskottchen der TBB ziert. Nur Menschen außerhalb des Basketball-Planeten werden ihn nicht kennen. Für die sei der Bericht aus dem „Trierer Volksfreund“ aus dem Jahr 2012 empfohlen.

 

Da „Aggy“ nicht ohne Basketball und der Basketball nicht ohne „Aggy“ kann und der Trierer ohnehin Urlaub überbewertet, begleitet er im August die Nationalmannschaft Luxemburgs durch die EM-Quali.

 

In der FIBA-Weltrangliste (Stand: September 2013) wird Luxemburg gar nicht aufgeführt. Punktlos gehört man dort zu den Mannschaften ab Platz 88 des Rankings.

„Mir wëlle bleiwe wat mir sinn“

Per Günther im Zweikampf
Vor zwei Jahren gelangen Per Günther und dem DBB-Team zwei deutliche Erfolge über Luxemburg. (Foto: sport1.de)

Der Luxemburger Wahlspruch lautet: Mir wëlle bleiwe wat mir sinn. Wir wollen bleiben, was wir sind. Im Basketball-Land Luxemburg hoffe ich da auf eine Steigerung. Ich drücke den Korbjägern aus dem sympathischen Nachbarland beide Daumen, dass es im August mit einem Sieg klappt. Muss ja nicht unbedingt gegen Deutschland sein. Der gelang den Luxemburgern in den bisherigen 14 Aufeinandertreffen mit der DBB-Auswahl nämlich schon einmal. Am 28. September 1963 glückte im heimischen Diekirch ein 60:49-Erfolg in einem Freundschaftsspiel.

 

Das bisher letzte Spiel zwischen den Nachbarn gab es am 2. September 2012, als sich die DBB-Auswahl ebenfalls in der EM-Qualifikation mit 95:67 in Luxemburg durchsetzte (Pleiss 17, Jagla 13). Schon das Hinspiel in Hagen zwei Wochen zuvor ging mit 101:53 deutlich an Topscorer Robin Benzing (17) und seine Mitspieler.

 

Deutschland gegen Luxemburg – Die Bilanz

 

Luxemburg auf der Homepage der FIBA Europe
 

Die Termine in der EM-Quali

So., 17. August 2014 (3. Spieltag)

19.00 Uhr (voraussichtlich live auf basketball-bund.de)

DEUTSCHLAND - LUXEMBURG

in Trier, Arena Trier

 

Mi., 27.08.14 (6. Spieltag)

19.30 Uhr (live auf EinsPlus)

LUXEMBURG - DEUTSCHLAND

in Luxembourg, Centre National Sportif and Culturel d'Coque

 

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Gortat, Meister Lampe, Mike T & Co. – Basketball in Polen

Zwei Basketballer im Zweikampf
Marcin Gortat (re.) / Foto: spox.com

Nichts gegen Österreich und Luxemburg. Aber die Duelle mit Polen werden für die deutschen Korbjäger erwartungsgemäß wohl die entscheidenden Spiele um die direkte Qualifikation für die Eurobasket 2015. Werfen wir den Basketball einmal in unser Nachbarland.

In Polen kommt natürlich kein Sport an Fußball vorbei. Ab und an springt mal ein Skiflieger über 100 Meter und sorgt so zumindest im Winter für Abwechslung. Und im Sommer radelt das Profi-Peloton bei der angesehenen Polen-Rundfahrt durch das sechstgrößte Land der EU mit seinen 38,5 Millionen Einwohnern. Volleyball und Schwimmer sorgen ab und an auch dafür, dass die weiß-rote Flagge bei internationalen Wettkämpfen gehisst wird.